orientierungslos

Ein Monat herrschte Ruhe auf diesem Blog. Ein Monat in dem ich nahezu nicht fotografiert habe. Ein Monat in dem ich auch jegliche andere Blogs und fotorelevanten Themen ignoriert habe. Ein Monat in dem ich viel (Romane) gelesen und mein Kind durch die ersten Schulwochen begleitet habe. Ein Monat in dem ich diesen Post ständig neu umformuliert und gelöscht habe. Ich habe versucht Sätze zu formulieren, obwohl es 2 Worte sehr treffend beschreiben: orientierungslos und ziellos. Beides bezieht sich auf meine Fotografie. Ich habe keine Orientierung und kein Ziel. Ein unangenehmer Zustand, der mich auch daran hinderte zur Kamera zu greifen und einfach Fotos zu machen. Es fällt mir schwer keinen „Plan zu haben“ und zu akzeptieren, dass ich gerade eine Phase höchster Ziellosigkeit durchlaufe. Naja, ich mag Struktur und Ordnung und ein Ziel gibt Halt. An einem Ziel kann ich mich orientieren. Ein Ziel gibt eine Ordnung vor.

Bis vor kurzem dachte ich, dass ich gerne meine Fotografie über kurz oder lang auf die berufliche Ebene ausdehnen würde, aber im Moment kann ich mir das gar nicht vorstellen. Da hängt so viel dran. So viel, was mich gar nicht interessiert. So viele Dinge, für die ich keine Energie aufwenden möchte. Heute habe ich nach der Arbeit wieder am Bahnhof fotografiert und genau das ist es, was ich möchte – fotografieren. Während des Fotografierens (und auch des Nachbearbeitens) vergesse ich Zeit und Raum. Meine ganze Konzentration und Aufmerksamkeit ist bei dem, was ich tue. Es ist total unkompliziert, leicht und mühelos. Die Zeit verfliegt. Ich könnte das ewig machen. Es fühlt sich richtig an. Das Geschehen um mich herum nehme ich kaum wahr. Und wenn ich das beruflich machen würde, wäre es dann auch noch unkompliziert, leicht und mühlos?

Für den Moment versuche ich also zu akzeptieren, dass ich es schwierig finde orientierungslos zu sein und greife einfach zur Kamera und fotografiere. Meine Fotos zeige ich dann hier. Und vielleicht taucht irgendwann auch ein neues (fotografisches) Ziel auf. Ansonsten muss wohl mein Weg als Ziel dienen.

Der letzte Absatz kann auch falsch verstanden werden. Natürlich möchte ich mich fotografisch weiterentwickeln und ich denke, wenn man regelmäßig fotografiert, tritt diese Entwicklung fast automatisch ein, da man dabei immer lernt, Neues entdeckt und ausprobiert und bisherige Techniken verbessert oder verfeinert. Ich möchte auch nach wie vor mit der Fotografie meine Kreativität ausleben. Aber ein bißchen beneide ich die Fotografen, die genau wissen, was „ihr Ding“ ist und das dann „einfach“ durchziehen. So jemand bin ich nicht.

Und weil Ihr nach einem Monat Funkstille eine Erklärung verdient habt, habe ich versucht in Worte zu fassen, was mich die letzten Wochen am Fotografieren und Bloggen gehindert hat. Aber ich bin natürlich nicht ohne Fotos zurückgekehrt und die zeige ich Euch jetzt.

2016-09-21-13-42-30-0057

2016-09-21-13-44-40-0061

2016-09-21-13-44-56-0063

2016-09-21-13-49-01-0079

2016-09-21-13-49-16-0080

2016-09-21-13-58-53-0095

2016-09-21-14-01-01-0099

Und zum Abschluss versüße ich Euch die restliche Woche mit den schönsten Treppen des Bahnhofs:

2016-08-23-13-50-17-0068

Annett

Advertisements

17 Kommentare zu „orientierungslos

  1. Na, deine Bahnhofsbilder sind doch ein Ziel. So ganz anders als ich es mal gemacht habe.
    Z.B. hier: https://dosenkunst.de/2015/05/12/frankfurter-hauptbahnhof-in-10-quadraten-mit-150mm-kb/
    Für mich war das aber nur ein kurzes Projekt, obwohl ich 2 mal in der Woche dort rumlaufe.
    Über eine Weiterentwicklung der eigenen Fotografie habe ich auch schon nachgedacht, in Richtung „Geld verdienen damit“. Das eine ist halt, wie auch bei dir, der Küntlerische Ansatz, du setzt deine Ideen um und versuchst am Ende deine … Schätze zu verkaufen. Schwer….
    Die andere Seite wäre die Auftragsarbeit, dann bist du Handwerker und kannst ein Gewerbe anmelden. Die Freiheit ist dann aber weg, es geht um die Knete. Und will frau davon leben, ist es ein harter Job. Ich will das nicht.
    Aber, wenn du ein Thema hast, das dir Spass macht, dann ist das doch schon viel mehr, als manch anderer hat. Daraus ein Buch machen, eine Portfolio Seite aufsetzen, versuchen im Bahnhof eine Ausstellung zu machen, die Möglichkeiten sind da…

    Gefällt 1 Person

    1. Das Problem ist das Geld verdienen und aus Spass fotografieren zwei komplett unterschiedliche Dinge sind…und mit Sicherheit wird dir der Spass an der freien Fotografie verdorben wenn du aus Verdienstgründen fotografieren musst…da hängt dann viel dran : Auftraggeber,Technikkosten,Softwarekosten,Organisationstalent,Fototalent,Ideentalent …usw..und das alles unter Druck und bei sinkenden Tageshonoraren…Gewerbe brauchst du keins anmelden , aber extremes Durchhaltevermögen und sehr sehr gute Bilder in der Mappe…und dann Türklinken putzen..auch nicht jedermann/fraussache…ich würde mich für mich heute manchmal wünschen einen anderen Beruf zu haben….
      LG Jürgen
      PS : Bei Fragen zum Beruf gerne mailen !

      Gefällt 1 Person

      1. Danke für Deine Profieinsichten, Jürgen (auch auf Deinem Blog, den ich gern lese). Und genau diese Dinge sind mir bewußt und ich meinte das, als ich schrieb, dass zum Beruf Fotograf so viel mehr noch gehört (als nur gute und tolle Fotos machen). Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, liegt mir dieses Drumherum nicht. Natürlich könnte ich es hinbekommen, aber etwas in mir sperrt sich, diese enorme Energie aufzubringen (weil mir das eben nicht leicht fällt). Und dann ist da die Frage, ob es sich auszahlen wird.

        Sehr schwierig alles. Und ich denke (vorerst), finde ich einfach viel mehr Erfüllung in meiner „Freizeitknipserei“, weil ich ohne Druck von Aussen und nur mir verpflichtet bin. Das vergißt man leicht.

        Gruß, Annett

        P.S. Wenn ich (konkrete) Fragen habe, maile ich Dir gerne – danke!

        Gefällt mir

      2. Ähnlich ist das ja auch in vielen anderen Bereichen, z.B. im sozialen Sektor. Ein Brot- und Butterjob mit allen Versicherungen und nebenbei das machen, was dem eigenen Traumjob am nächsten kommt. Das wäre optimal.

        Gefällt mir

    2. Ja genau. Das Bahnhofsprojekt gefällt mir auch total und die Ergebnisse sind gut. Deine Bahnhofsbilder hatte ich vor einer Weile auch schon entdeckt und festgestellt, wie vielseitig und unterschiedlich man Bahnhöfe fotografieren kann.

      Tja, zum Geld verdienen … genau, wie Du schreibst, schwierig … Aber ich bin ja in Lohn und Brot und kann mir mit meiner Entscheidung Zeit lassen. Das ist mir klar geworden, nachdem ich gestern diesen Blogeintrag verfasst hatte. Ich muss mich gar nicht jetzt entscheiden und ich darf jeder Zeit meine Meinung ändern. Falls nötig. 😉

      Annett

      Gefällt mir

  2. Wow! Ein toller und ehrlicher Text in dem ich mich viel zu oft selbst wiederfinde… ich steh gerade auch an ungefähr der selben Stelle. Fragen über Fragen was die Zukunft angeht, Bedenken, Sorgen aber auch Motivation und Lust… Nicht einfach. Aber ich lass mich treiben und versuch abzuwarten. Die Bilder sind übrigens grandios! Und passend wie ich finde…

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar und Lob, Markus. Eine schwierige Entscheidung, aber ich versuche mich nun auch erstmal mit meiner Orientierungslosigkeit anzufreunden bzw. mich fotografisch treiben zu lassen. Abwarten ist auch gut … zumindest ich habe keinen Zeitdruck. Und wie Jürgen schrieb, es gehört noch so viel mehr zur Berufsfotografie. Und leider sind da viele Dinge bei, die ich nicht gerne machen und die mich genau genommen nur ablenken und stören würden. Das muss ich mir auch ehrlich eingestehen. Bleibt also spannend. So wie bei Dir 😉

      Gefällt mir

  3. ich hatte so eine phase auch mal. ich glaube, man muss das annehmen und sich damit nicht unter druck setzen. wenn einem dieses hobby etwas bedeutet, kommt es zu einem zurück.

    Gefällt mir

    1. Danke für Deinen Kommentar. Ich denke das im Grunde auch und weiß, dass die Fotografie zurückkommt. Ich finde es aber verdammt schwer diese Phase des Nicht-Fotografierens anzunehmen :(. Das übe ich daher gerade 😉

      Gruß, Annett

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s