12 magische Mottos – Don’t!

Das Juni-Motto ist „Don’t!“ bzw. „Nicht!“ – Paleica schreibt dazu:

„Der Begriff beschreibt folgendes: es gibt „Regeln“ und „Ratschläge“, worauf man bei einem „guten“ Foto achten sollte. Ich sage euch: alles Blödsinn! Fotografie ist Kunst und in der Kunst ist alles erlaubt. Darum sucht euch eines dieser „Don’ts“ aus oder schaut euch in eurem Archiv um. Welche Bilder missachten wichtige fotografische Regeln – und sind für euch dennoch gelungene Bilder?“

Im Wesentlichen stimme ich Paleica zu. Meine „Lieblingsregel“, die ich schon immer gern missachtet habe, ist die mit dem Gegenlicht. Eines meiner erstes Gegenlichtfoto mag ich auch Jahre später noch immer sehr.

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Im Yellowstone National Park, 2007

Ebenso macht es mitunter Sinn gegen die Drittel-Regel zu „verstoßen“. Manchmal ist Ruhe und Harmonie nur durch mittige Platzierung des Motivs zu finden. Oder das Motiv nimmt den gesamten Raum ein und ein prägender Bildbestandteil wird dann mittig platziert. So wie hier:

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Agave

Bei dem Foto der Agave habe ich übrigens gegen noch einen häufig gelesenen „Rat“ verstoßen: das Foto ist um 2 Uhr nachmittags entstanden. Zu einer Zeit also, die die meisten Naturfotografen am liebsten meiden. Viele orientieren sich an den Morgen- und Abendstunden. Ja, das Licht ist dann schöner – finde ich auch. Aber bei diesem Agavenfoto passt das grelle Sonnenlicht richtig gut. Weil es nämlich noch mal mehr verdeutlich, wo diese Pflanzen wachsen und unter welchen unwirtlichen Bedingungen sie gedeihen können.

Das sind bekannte (und wichtige) Regeln in der Fotografie, die mir spontan zum Thema eingefallen sind und die ich oft ignoriere. Viele Regeln haben ihren Sinn und ein Verstoß dagegen macht nur dann Sinn, wenn man das bewußt tut um eine bestimmte Bildwirkung zu erzielen oder eben nicht zu erzielen. Generell meine ich aber auch, dass Ausprobieren, Kreativität und Spaß haben, vor Regelgehorsam kommen sollte.

Dennoch gibt es eine Regel (eigentlich ist es mehr ein genereller Grundsatz), die ich zwar ebenfalls ab und an breche, deren Mißachtung aber nicht mit guten Ergebnissen belohnt wird und den ich anschließend oft genug bereue. Je länger ich fotografiere, desto bewußter wird mir, was ich thematisch fotografieren mag und was mir so gar nicht liegt. Ich merke deutlich, wofür mein Herz schlägt und was mich mit Begeisterung erfüllt, wenn ich den Auslöser betätige. Daher fnde ich es inzwischen unausweichlich und sehr wichtig, dass man das fotografiert, was einen begeistert. Wie soll man auch sonst mit dem Foto andere begeistern, wenn man selbst vom Motiv nicht begeistert ist? Regelverstöße hin oder her, die Begeisterung für das Motiv an sich darf nicht auf der Strecke bleiben.

Annett

Getreidemeer

Da schreibe ich (zuletzt) über Langsamkeit und stelle fest, dass die erste Jahreshälfte bereits schon wieder hinter mir liegt. Und leider kamen mir die vergangenen 6 Monate gar nicht langsam vor. Inzwischen ist das Wintergetreide fast reif und bald wird hier wohl der Mähdrescher seine Dienste verrichten. Irgendwie auch schade …

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Annett

Noch mehr Langsamkeit

Nachdem ich in meinem Beitrag „Für mehr Langsamkeit“, nämlich genau dafür für mehr Langsamkeit, bewußtes Fotografieren und gegen das Vergessen plädiert habe, lässt mich dieses Thema noch nicht los. Offenbar habe ich es noch nicht zu Ende gedacht und für mich abgeschlossen. Denn es tauchte in Form eines Artikels in einer Zeitschrift auf. Nicht in der Art, in der ich es abgehandelt habe, sondern von der anderen Seite, wenn man so will.

In dem Artikel ging es – knapp zusammengefaßt – darum, Kunst zu genießen. Es ging darum, dass man sich ganz bewußt Zeit nimmt ein Gemälde (z.B. im Museum) zu betrachten. In allen Einzelheiten. Es komplett zu erfahren. Am besten noch ohne jegliche Vorinformationen. Dazu muss man kein Kunstkenner sein. Einfach viele Minuten vor dem Gemälde verbringen, es in allen Details betrachten und wirken lassen. Nicht werten, sondern einfach nur sehen. Sich Gedanken machen und Fragen stellen, vervollständigen die Erfahrung der „Slow Art“. Es gibt inzwischen sogar einen „Slow Art Day“ – wer mehr Informationen dazu möchte, klicke hier (in Englisch).

Aber wie oft nimmt man sich die Zeit ein Gemälde oder ein Bild in allen Einzelheiten zu erfahren und es ganz ausführlich zu betrachten? Warum setzen wir uns nicht vor ein Bild und betrachten es in aller Ruhe mehrere Minuten? Ich denke, das liegt daran, dass wir es nicht mehr gewohnt sind, irgendetwas in Ruhe und mit Bedacht zu machen. Wenn man ständig hetzt (oder gehetzt wird), kann man irgendwann nicht mehr einfach so einen Gang runter schalten. Leider verpaßt man dadurch viel zu oft den eigentlichen Genuß an der Kunst. Etwas, das Freude und Entspannung bringen soll, wird ebenfalls zum Stressfaktor, weil man so viele Ausstellungsstücke wie möglich sehen will. Im Endeffekt hat man dann keines wirklich gesehen. Eine Ausstellung lässt sich wohlmöglich sogar intensiver erfahren, wenn man nicht alle Ausstellungsstücke anschaut, aber dafür ein paar wenige wirklich sieht und betrachtet.

Nun ging es in dem Artikel tatsächlich zwar ausschließlich um Gemälde, aber Fotografie ist ebenfalls eine anerkannte Kunstform (was nicht bedeutet, dass jedes Foto Kunst ist). Und es gibt viele Fotos, die es verdienen, dass ich ihnen länger und damit intensivere Aufmerksamkeit schenke. Und das gilt nicht für die Fotos anderer Fotografen. Das gilt auch und ganz besonders für die eigenen Fotos. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung, wenn ich schreibe, dass ich meine Fotos oft viel zu schnell ansehe, bearbeite und archiviere. Und auch wenn ich mich gut an meine Fotos erinnere, so entdecke ich tatsächlich öfter zu einem späteren Zeitpunkt noch Details, die mir zunächst entgangen sind. Und daher die Schlussfolgerung, dass ich doch etwas schnell im Umgang mit meinen Fotos bin. Oder zumindest, könnte ich noch sorgfältiger und bewußter sein. Und das wiederum paßt hervorragend dazu, dass ich den Rotationszyklus meiner Fotos verlangsamen möchte. Das Bewußtsein fängt beim Fotografieren an und geht beim Betrachten und Auswählen weiter. Ich habe allerdings auch bemerkt, dass es einen Unterschied macht, ob ich meine (oder andere) Fotos digital oder auf Papier betrachte. Analog ist intensiver und ich nehme mir mehr Ruhe und Zeit. Ich bin aufmerksamer.

Das Sprengel-Museum in Hannover hat u. a. immer Fotoausstellungen im Programm und so habe ich bei meinem letzten Besuch ganz bewußt die Geschwindigkeit reduziert und lange vor den Fotos gestanden (oder gesessen, wenn es ging). Auf 10 Minuten habe ich es vermutlich nicht gebracht, aber ein paar Minuten waren es. Zunächst fand ich es schwierig dem Drang zum Weitergehen zu unterdrücken. Und ich konnte auch nicht jedes Foto oder Ausstellungsstück lange und bewußt ansehen, aber bei etlichen Fotos ist es mir doch gelungen. Es wurde eine schöne Erfahrung ganz intensiv Fotos und auch Grafiken anzuschauen und viele Details bewußt zu registieren, die ich anderfalls glatt übersehen hätte.

In unserer heutigen ziemlich schnell gewordenen Welt ist Langsamkeit eine echte Herausforderung. Aber es ist eine lohnende Herausforderung. In dem Moment, wo ich mich zur Langsamkeit entschließe, läuft mein Leben tatsächlich langsamer und diese Langsamkeit lässt meine Erfahrungen und Erlebnisse intensiver und echter werden.

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„Du musst nur langsam genug gehen, um immer in der Sonne zu bleiben.

(Der kleine Prinz)

Annett

Bild

abstrakte Liebe

Ich war in meinem Archiv und habe nach beinah vergessenen Schätzen Ausschau gehalten. Wie ihr vielleicht wißt, möchte ich meine alten Fotos neu entdecken und so ihren Lebenszyklus in dieser schnellebigen Zeit verlängern – diese Idee habe ich hier beschlossen.

Ich bin daher ganz gezielt zu den Anfängen meiner Fotografie gegangenen. Im Jahr 2007 war ich im Yellowstone und habe dort ein Foto gemacht, an das ich mich immer noch sehr gut erinnere und das mir seit 10 Jahren gefällt. Das könnte ich abstauen und schauen, ob ich ihm einen neuen (digitalen) Anstrich verpassen sollte/müsste/wollte.

So mein Plan für diesen Blogpost. Aber dann kam es anders.

Ich habe das Foto gefunden und statt wie üblich Freude beim Anblick zu empfinden, sehe ich nur noch die Fehler, die ich gemacht habe. Das Bild würde ich heute so nicht mehr fotografieren. Schlimmer noch ist, dass es seinen Reiz für mich verloren hat. Es gefällt mir nicht mehr. Ich sehe nur das überbelichtete Weiß, den abgeschnittenen Baum und eine allgemeine Disharmonie, die mir nicht zusagt,, die ich aber auch nicht näher bestimmen und so vielleicht ändern kann. Es ist wirklich merkwürdig. Wie kann ein Foto, das mir mal sehr viel bedeutet hat, sich so von mir abwenden? Oder besser: ich von ihm? Offenbar haben sich meine fotografischen Vorlieben in all den Jahren sehr gewandelt, aber so stark? Anderseits ist niemand derselbe, der er noch vor 10 Jahren war. Da ich also keine andere Wahl habe, versuche ich diese Vorstellung zu akzeptieren. Denn ändern kann und will ich es nicht mehr.

Nachdem ich mich nun also ein wenig ausgejammert habe, werde ich mein ehemaliges Lieblingsstück trotzdem zeigen. Auch wenn ich das Foto heute so nicht mehr aufnehmen würde, gehört es doch zu meiner fotografischen Entwicklung. Und nur weil ich enttäuscht bin und das Mißlungene sehe, heißt das nicht, dass es anderen auch so geht.

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Aber kein Blogpost ohne Happy End. Während ich also auf dem Weg zu einem ehemaligen und fast vergessenen Lieblingsfoto bin, stolpere ich über ein anderes, das ich damals ebenfalls im Yellowstone National Park, wenngleich an anderer Stelle, gemacht habe. Dieses Foto habe ich aber 10 Jahre ignoriert. Und wieder frage ich mich, wie sich meine fotografischen Vorlieben so ändern konnten!?

Ich mag an diesem Foto, dass ich es lange betrachten und dennoch neue Details entdecken kann. Ich mag daran, dass genaugenommen gar nicht klar ist, wo oben und unten ist. Ich mag daran, dass es in schwarz/weiß besser wirkt als in Farbe. Ich mag daran, dass es alles Mögliche sein. Ich weiß, was es ist, aber ein fremder Betrachter nicht. Ich mag das Abstrakte, jemand anderes vielleicht nicht. Ich mag die Vielfalt die dieses Foto anbietet. Ich mag das Einfache daran und das es ohne viel Schnickschnack trotz allem interessant ist. Zumindest für mich.

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Und so habe ich genaugenommen einen neuen Schatz gefunden, das jedoch fast im digitalen Nirwana verschwunden wäre. Aber eben nur fast.

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.

>Heraklit von Ephesus<

Annett

zu Zweit

Bildpaare sind eine interessante Möglichkeit Fotos zu gewichten oder zu ergänzen. Ein Bildpaar können zwei Fotos sein, die sich ergänzen und so eine Einheit bilden. Oder es sind zwei Fotos, die sich ausschließen und gegenüberstehen. Sie bilden dann einen Gegensatz. Für welche Variante man sich letztlich auch entscheidet, manche Fotos machen sich als Paar ausgesprochen gut und mitunter sogar besser als als Einzelbild.

Ich mag Bildpaare und finde sie oftmals ansprechend. Dennoch tue ich mich schwer damit geeignete Paare zu finden bzw. zusammenzustellen. Ich habe schon öfter mal versucht ganz bewußt beim Fotografieren nach Bildpaaren Ausschau zu halten. Aber da das bisher nie funktioniert hat, habe ich immer erst hinterher am PC Bildpaare zusammengestellt.

So wie die heutigen Fotos. Die habe ich zwar zeitlich zusammenhängend aufgenommen, aber die Idee, sie als Bildpaare zu präsentieren, kam mir erst bei der abschließenden Bearbeitung am PC. Da konnte ich dann auch in Ruhe ausprobieren, in welcher Reihenfolge ich sie anordnen möchte. Gerade bei den beiden Fotos von der Aue in Wunstorf ändert sich die Bildwirkung enorm, wenn ich die Reihenfolge tausche. So wie ich es hier präsentiere, wirkt das Bild harmonisch, geschlossen und zugewandt. Wenn ich die Fotos dagegen vertausche, entsteht ein Gefühl der Distanz und Unvollständigkeit, ein Gefühl der Entfremdung – die Variante habe ich nur kurz angesehen müssen und dann gleich bemerkt, dass sie für mich nicht funktioniert.

Bei dem abstrakten Bildpaar dagegen hat die Reihenfolge der Fotos für mich wenig Unterschied gemacht. Da fand ich den gewählten Bildausschnitt wesentlich entscheidender.

Bildpaare bieten eine wunderbare Gelegenheit, die eigenen Fotos aus einem anderen und vielleicht auch neuen Blickwinkel zu betrachten. Nämlich dahingehend, ob sich nicht vielleicht irgendwo im Archiv oder auf der Kamera ein passendes Pendant findet. Und was passt oder nicht, das entscheidet jeder für sich.  flow

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Annett