Bilder einer Ausstellung

Ich nehme Euch heute mit in meine Fotoausstellung. Das erste Wochenende ist rum und ich muss einfach drüber berichten – zumal meine Ausstellung derzeit mein Fotoleben bestimmt und andere Themen gar keinen Raum haben. Um ein Zwischenfazit vorweg zunehmen: es ist eine einzigartige Erfahrung. Ich kann es empfehlen, will aber auch nicht verschweigen, dass es viel Arbeit ist. Alleine hätte ich das gar nicht gemanaged bekommen. Allein schon, weil ich die Ausstellung selbst betreue und damit zu den Öffnungszeiten (Freitags und am Wochenende) anwesend bin – als Mama brauche ich dann natürlich wiederum jemanden, der meinen Sohn währenddessen betreut. Auch das Hängen der Fotos am Donnerstagabend hätte mich ohne Hilfe meines Mannes wesentlich mehr Zeit (und definitiv mehr Nerven!) gekostet.

Ich jedenfalls war froh als wir alles rechtzeitig zur Eröffnung am Freitag (ohne Vernissage allerdings) hinbekommen haben. Am Donnerstagabend habe ich dann noch den allerersten Besucher Spontanvernunft zu einer sneak peek begrüßen dürfen.

Die Kunstscheune ist ein toller Ausstellungsort für meine erste Ausstellung – nicht sehr groß und mit den (teilweise) altem Fachwerk auch sehr charmant und ansprechend. Sie ist umgeben von anderen Scheunen, die – heutzutage – Boutiquen, Cafés, Weinscheune, Touristinfo u. ä. beherbergen.  Außerdem finden dort regelmässig Ausstellungen statt. Ich habe ingesamt 19 Bilder ausgestellt. Die Auswahl hat sich im Laufe der Zeit wie von selbst mit ständigem Grübeln und einigen Änderungen ergeben und kommt gut beim Publikum an.

Was ich bisher beobachtet habe, ist, dass es zwei Arten von Besucher gibt. Die einen laufen nur kurz durch und haben offenbar etwas anderes erwartet (so wie eine Frau nach kurzen Reinschauen formulierte „Hier gibt’s nichts. Nur Bilder.“) und dann ist da die andere Gruppe Besucher, die lange schauen und äußerst interessiert sind. Und das ist die Gruppe mit denen ich gern ins Gespräch komme und wir dann über Fotografie und/oder sonstige Themen reden. Es ist toll zu erfahren, was meine Fotos bei ihnen für Emotionen oder Assoziationen wecken. Es ist schön zu hören, welche Erinnerungen geweckt werden. Es ist lehrreich zu mitzukriegen, dass sie den Titel überhaupt nicht passend finden, weil sie das Foto ganz anders sehen oder verstehen. Es schmeichelt zu hören, dass in der Zeitung von der Ausstellung gelesen wurde und sie deshalb gezielt hier sind. Diese Aufmerksamkeit in diesen hektischen Zeiten ist eine besondere Form der Anerkennung, finde ich.

Obwohl ich – zugegebenermaßen – mir Namen (und oft genug auch Gesichter) nicht sehr gut merken kann, finde ich die Geschichten und Anekdoten der anderen wunderbar und oft sehr bemerkenswert. Sie runden meine Ausstellung ab (in meinem Berufsalltag ergibt sich diese ungezwungene Athmosphäre eher selten).

Und dann sind da die stillen Momente, die nur mir und meinen Fotos gehören. Meine Gedanken können dann nicht still stehen. Mein Bauchgefühl wird stärker wahrnehmbar für mich. Ich schaue meine Fotos an und versuche herauszufinden, wohin mich meine fotografische Reise als nächstes führen wird. Meine ausgestellten Natur/Landschaftsfotos sind schön. Sie finden ausgesprochen viel Anklang. Bei anderen. Bei mir nicht mehr so sehr – eine Tatsache, die mich traurig stimmt. Ich habe sie lange analysiert und mich gefragt, warum ich mich innerlich so gespalten gespalten und unsicher beim Betrachten fühle. Sie sind schön. Das sind sie wirklich. Sie gefallen mir, aber ich finde sie irgendwie „leer“. Sie schmeicheln den Augen, aber nicht dem Herzen und dem Verstand. Sie sind einfach da. Ich schaue sie an und finde sie schön. Aber das ist alles was sie an Gefühlen in mir wecken. Und gerade wundere ich mich, ob ich bereits beim Drücken des Auslösers so gefühlt habe!? Getäuscht vom schönen Anblick habe ich die Leere nicht gefühlt.

Und dann sind da meine abstrakteren Fotos, die ich länger ansehe und immer wieder. Und jedes Mal, wenn ich sie ansehe, dann empfinde ich ein Gefühl von Richtigkeit. Diese Fotos fühlen sich richtig an. Sie fühlen sich gut an. Keinerlei Zweifel in mir. Alles so wie es sein soll. Sie sind anders und sie gefallen nicht nur meinen Augen, sondern auch meinem Herz.

Was bedeutet das für meine fotografische Zukunft? Ich weiß nicht genau. Ich mag Natur/Landschaft sehr gern und es ist mein bevorzugtes Motiv. Die Natur ist mir wichtig und sie begeistert mich aufrichtig. Ebenso wie großartige Landschaften. Ich denke über kurz oder lang wird sich beides zusammenfügen – die Landschaft und das Abstrakte. Vermutlich. Momentan stelle ich mir vor, dass meine Landschafts- und Naturfotos abstrakter werden. Aber wie? Ich weiß nicht. Da ist der Hauch einer Ahnung, aber nichts Konkretes. Ich brauche Ruhe um die Gedanken ordnen zu können. Ich brauche iene inspirierende Landschaft, meine Kamera und Kreativität. Abgesehen davon werde ich weder nur abstrakt fotografieren können noch wollen. Meine persönlichen Erinnerungsfotos mag ich realistisch und abbildungsgetreu. Das bleibt. Aber meine wirklichen Fotos werden unausweichlich abstrakter werden.

Und so zeigt mir diese Ausstellung einen Weg, den ich nicht vorher gesehen hatte. Ich muss nur noch entscheiden, ob ich den Weg gehe oder nicht.

Und weil die letzten Absätze nun sehr persönlich und – eventuell – auch lang(weilig) waren, will ich mit Fotos abschließen. Mit Eindrücken aus der Kunstscheune in Steinhude. Meine Ausstellung dort geht noch bis zum 24.9.2017. Jedes Wochenende werde ich dort sein und mich auf den Austausch und die Geschichten meiner Besucher freuen. Und der ein oder andere wird darunter sein, der mit mir ein intensives Gespräch über Fotografie führen wird. Und auch das fühlt sich echt und richtig an.

2017-09-03 11-58-34 - DSC_1316 - Kopiea

2017-09-03 11-48-51 - DSC_1299b

2017-09-03 11-51-28 - DSC_1309a

2017-09-03 12-02-02 - DSC_1319a

2017-09-03 11-49-16 - DSC_1301a

2017-09-03 11-50-38 - DSC_1306a

2017-09-03 12-02-32 - DSC_1320a

Annett

Advertisements