with heart and soul

Als ich vor Jahren mit dem Fotografieren anfing, unterlag ich einem kolossalen Irrtum. Ich nahm nämlich an, dass ich als Fotograf ein Beobachter bin und in dieser Funktion außen vorstehe. Das ist grundlegend falsch. Zumindest, wenn man gute Fotos machen möchte.

Gute Fotos verlangen natürlich die Begeisterung oder zumindest das Interesse des Fotografen für das Motiv. Ich hatte angenommen, das sei ausreichend und habe mich daher in meiner Beobachterfunktion wohl gefühlt und es mir hinter der Kamera bequem gemacht. Erst jetzt habe ich erkannt, dass auch noch das Einlassen des Fotografen auf das Motiv wichtig ist. Vielleicht sogar wichtiger, wenn ich Fotos machen möchte, die nicht nur mir gefallen. Erst wenn ich die Kamera für einen Moment runternehme und nichts zwischen mir und dem Motiv ist, dann kann eine Verbindung entstehen auf die ich mich einlasse. Diese Kontaktaufnahme mit dem Motiv ist genauso wichtig wie das Motiv an sich. Ich musste demzufolge meine Ansicht ändern und vom Beobachter zum Teilnehmer werde. Aktiv statt passiv. Ich habe die Fotografie viele Jahre für passiv gehalten – sehen und Auslöser drücken. Dabei können schöne Fotos entstehen, aber das sind dann eben „nur“ schöne Fotos. Sie berühren dann nicht das Innerste beim Betrachter. Aber wenn das Herz und die Seele mitfotografieren, dann entstehen besondere Fotos. Fotos bei denen man merkt, das sie viel mehr sind als nur ein Foto. Das sie mehr tun als nur einen kurzen Moment der Zeit festzuhalten.

Viel prägnanter hat das übrigens Arnold Newman mit dem folgenden Zitat ausgedrückt:

„Wir nehmen Bilder nicht mit unseren Kameras auf, sondern mit dem Herzen.“

Und das funktioniert nur, wenn ich aufhöre Beobachter zu sein und mich auf mein Motiv einlasse. Aber das ist mal leichter, mal schwerer und oft gelingt es auch überhaupt nicht – dann jedoch mache ich inzwischen gar kein Foto mehr …

DSC_1983a

DSC_1977a

Annett

Advertisements

9 Kommentare zu „with heart and soul

    1. Danke. Ich habe die Kontaktaufnahme und die Auswirkungen auf ein Foto echt unterschätzt. Aber ich denke, viele gute Fotografen spüren bzw. machen das intuitiv richtig und brauchen es nicht in Worte fassen 😉

      Gruß, Annett

      Gefällt mir

  1. Du triffst den Nagel auf den Kopf!! Einmal mit Deinen Worten, aber auch mit Deinen zarten und ganz feinen Fotografien. Wenn die Beziehung zwischen Fotograf und Motiv stimmt (egal ob Mensch oder nicht), dann hat man mindestens die Hälfte geschafft… Viel Erfolg und ganz viel mehr Freude auf Deinem Weg!!!

    Gefällt 1 Person

    1. Danke Dir. Ja, ich hoffe auf weitere Offenbarungen auf meinem Weg, die ich dann mit Euch teilen kann 😉 Ich habe wirklich die Kontaktaufnahme viel zu lange völlig unterschätzt …. *augenroll*

      Gruß, Annett

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s