einfach(er) fotografieren?

Mein Bloggerkopf und mein Fotografenherz sind leer. Seit Wochen schon möchte ich bloggen, aber ich finde kein reizvolles Thema. Es scheint, dass alles schon gesagt und geschrieben wurde – nur eben nicht von jedem. Und so überlege ich, worüber ich schreiben möchte und finde doch kein Thema. Ich lese in meiner Fotozeitschrift, aber nichts inspiriert mich. Für die technische Seite der Fotografie habe ich mich noch nie groß interessiert, geschweige denn gebloggt. Auch nach 11 Jahren fotografiere ich überwiegend intuitiv. Meine Fotoausstattung ist klein und übersichtlich. Wenn ich die Fotos anderer betrachte, interessiert mich überhaupt nicht, mit welcher Fototechnik und mit welchen Einstellung dieses Foto gemacht wurde. Mich interessiert die Bildwirkung und ob es mir gefällt, ob es mich anspricht. Oder eben nicht – warum nicht? Oft überlege ich, ob ich das Motiv genauso oder anders fotografiert hätte. Oder gar nicht. Das sind meine Gedanken und Interesse an Fotos.

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Also, kein Blogartikel über Technik. Über Kreativität bzw. den Mangel derselben habe ich gerade gebloggt und so stöber ich weiter in Zeitschriften, Fotoseiten und Fotoforen – immer auf der Suche nach der zündenden Idee. Ich betrachte die Fotos und denke darüber nach, ob meine Fotos ebenso gut oder schlecht sind. Oft entsteht bei mir der Eindruck, dass die Fotos eindrucksvoller als die Wirklichkeit sein müssen – nur dann scheinen es „gute“ bzw. beachtete Fotos zu sein. Alles muss schärfer, bunter und – ganz wichtig – anders als tatsächlich gesehen, abgebildet werden. Warum? Sind wir schon so digital geworden, dass wir den Schein der Pixel ansprechender finden als unsere eigene Wahrnehmung der analogen Welt? Muss ein Sonnenuntergang so leuchtend rot wie nach der Explosion einer Atombombe sein? Ist er das wirklich oder haben wir ihn so in Erinnerung und das Foto dann mit Hilfe diverser Fotoprogramme unserer Erinnerung angepaßt? Und egal wie die Antwort auf diese Frage ist, spielt das überhaupt eine Rolle? Oder kann jeder für sich entscheiden, wie ein Sonnenuntergang aussieht? Jeder schafft sich seine eigene Realtität. Mitunter gibt es Schnittmengen mit den Realitäten anderer. Es scheint alles wunderbar individuell zu sein. Aber der Schein trügt – so viel Individualität verschmilzt zu einem einheitlichen Ganzen.

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Daher muss ich genau hinsehen und gezielt gucken, um das Besondere aus dem individuellen Einheitsbrei herauszufinden. Gar nicht leicht und oft mühsam. So mühsam, dass mir die Lust daran vergeht und ich mich aus der digitalen Welt der anderen wieder ausklinke und meine eigene digitale Welt betrachte.

Ich habe mich in den letzten Wochen ziemlich exzessiv der schnellen und einfachen Fotografie mit dem Taschencomputer (aka Smartphone) hingegeben. Point-and-shoot sozusagen. Das Einfangen von Alltagsmomenten damit ist großartig einfach und ebenso großartig ist es dann über diese, zugegeben manchmal blassen, Alltagsmomente ein, zwei oder drei Filter zu legen. Es entsteht eine andere Lichtstimmung, die Farben verändern sich, die Bildwirkung wird neu. Interessanter. Ebend total anders als der schnöde Alltag. Das macht irgendwie den Reiz aus – das Gefühl aus einem langweiligen Moment etwas großartiges zu schaffen.

Wenn das aber ohne Smartphone und ohne Filterapps gelingt – nämlich aus der Welt vor der eigenen Haustür etwas großartiges zu schaffen – dann ist das großes Können. Mit einfachen Mitteln die Welt reizvoll und interessant abbilden. Vielleicht etwas abstrakter. Aber nicht übertrieben. Nicht überreizt. Aber eben auch nicht langweilig, denn wenn wir genau hinschauen ist unsere Welt nicht langweilig. Leider sind das die Fotos, die kaum Betrachtung finden werden, denke ich. Wir – als Gesellschaft – sind inzwischen so überstimuliert und reizüverflutet, dass das auch in unseren Fotos sichtbar wird.  Schade eigentlich.

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Annett

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