Vergessene Träume

Da sind sie plötzlich wieder – meine vergessen geglaubten Träume. Ich meine nicht die Träume, die Nachts dafür sorgen, dass mein Gehirn aufgeräumt wird, sondern die Wünsche und Vorstellungen, die jeder von sich und seinem Leben hat. Die Ideale und Vorstellungen – mal vage, mal sehr konkret – mit denen wir aufwachsen und die wir im Laufe der Jahre entwickeln. Und die oft genug einfach ins Vergessen geraten. Weil … das Leben dazwischen kommt? Weil … man sich nicht intensiv genug mit ihnen auseinandersetzt? Weil … sie oft an Bedeutung verlieren und einfach nicht mehr wichtig sind? Weil … der Mensch, der sie träumte, ein anderer ist, als der, der sich an sie erinnert?

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Das ist völlig in Ordnung für eine Vielzahl meiner Jugendträume – geheim, rebellisch und realitätsfern. An diese Träume kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Aber da gibt es noch die anderen Träume. Träume, die mir mehr bedeuten. Träume, die zu wichtig sind, als das ich sie in die Kategorie Vergessen sortieren kann. Träume, die meinem Selbst und dem tiefsten Ich entspringen. Sie geraten in Vergessenheit, aber sie verschwinden nicht.

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Der Soundtrack meiner Jugendjahre befördert sie zuverlässig wieder ans Licht oder besser in mein Bewußtsein. Musik ist ein ziemlich guter Katalysator für Gefühle, Erinnerungen und Träume. Jedenfalls für mich. Für jemanden anderes funktionieren vielleicht Gerüche, Texte, Fotos oder einzelne Worte als Katalysator. Da sind sie dann also auf einmal wieder – die vergessenen Träume. Manche sind schon ziemlich „alt“ – sofern Träume überhaupt alt werden können. Dennoch erscheinen sie aktueller denn je. Eine merkwürdige Eigenschaft von Träumen. Obwohl ich nicht mehr der selbe Mensch wie vor 25 Jahren bin, sind die Träume noch dieselben. Ein wenig dringlicher und konkreter, aber im Prinzip dieselben.

Und was mache ich nun mit diesen Träumen? Am bequemsten wäre es sie wieder in die Schublade des Vergessens zu stecken, aber ich kriege die Schublade nicht mehr zu. Aber da ich nun über wesentlich mehr Lebenserfahrung und andere Mittel verfüge, kann ich mich differenziert mit ihnen auseinandersetzen und ein wenig Zeit ins Träumen investieren.

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Und weil meine vergessenen Träume so gar nichts mit Fotografie zu tun haben, aber dies doch ein Fotoblog ist, will ich Euch noch verraten – in der Annahme, dass es Euch interessiert – wie diese träumerisch anmutenden Fotos entstanden sind.

Nachdem ich bereits hier mit Multispektralfolie experimentiert habe, aber das Regenbogenauge aus der kwerbox leider durch den runden Papprand ein wenig einschränkend ist, habe ich mich an der Idee von Franz vom Blog Foto-Stil orientiert und mir einen eigenen „Multispektralfilter“ gebastelt. Das Ergebnis ist zufriedendstellend und die Handhabung beim Fotografieren wesentlich praktischer. Im Übrigen habe ich noch – in Ermangelung eines Makroobjektives – Makrozwischenringe benutzt bei diesen Aufnahmen.

Eine absolut entscheidene Zutat bei diesen Fotos ist allerdings die Sonne als Gegenlicht oder zumindest von der Seite. Erst dann werden die Spektralfarben sichtbar. Die Intensität der Spektralfarben lässt sich durch die Lichteinfall der Sonne beeinflussen.

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„Nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht.“

Carl Sandburg

Annett

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Fotodialog – eine Bekanntmachung

Schon öfter habe ich mich auf meinem Blog darüber ausgelassen, dass unsere Gesellschaft immer mehr in immer kürzerer Zeit konsumiert. Konsum jeglicher Art übrigens. Die Welt scheint sich schneller und schneller zu drehen. Neuigkeiten verdienen kaum noch diesen Begriff, denn sie veralten zu schnell. So ziemlich alles und jeder ist permant verfügbar. Abschalten? Lieber nicht.

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Im großartigen Depeche Mode Song „Going Backwards“ (vom Album „Spirit“) gibt es zwei Stellen, die ziemlich gut ausdrücken, was ich oft fühle, aber nicht so gut benennen kann:

We can track it all with satellites
See it all in plain sight
Watch men die in real time
But we have nothing inside
We feel nothing inside

und diese hier:

We’re going backwards
Armed with new technology
Going backwards
To a caveman mentality

Mitunter fühlt sich der Fortschritt für mich nach Rückschritt an. Verrückt, oder?

Bei dieser Schnelligkeit und ständigen Verfügbarkeit frage ich mich, wo bleibt unser Genuß? Können wir das noch? Können wir einen Schritt zurückgehen, langsamer und bewußter leben? Weniger produzieren und weniger konsumieren? Ich möchte diese Frage nicht für unsere Gesellschaft oder die diversen Industriezweige beantworten, aber ich möchte herausfinden, ob es mir für die Fotografie gelingen kann. Zumindest möchte ich es versuchen!

Und weil Versuche zu zweit mehr Spaß machen (und es dabei hilft nicht die Motivation zu verlieren) haben Heidi vom Nahaufnahme Blog und ich ein gemeinsames Projekt gestartet. Wir wollen beim Fotografieren Tempo rausnehmen. Wir wollen uns intensiver mit dem Foto der anderen und dem eigenen Foto beschäftigen. Wir wollen uns ganz und gar auf die Fotos einlassen. Es soll ein Dialog stattfinden. Nicht mit Worten, sondern mit unseren Fotos. Ein Foto nach dem anderen. Immer abwechselnd. Es gibt noch kurze Briefe, aber der eigentliche Dialog findet in den Fotos statt. Das zwingt sowohl uns, als Fotografinnen, als auch den Betrachter genau hinzusehen. Und genau hinsehen ist auch etwas, was leider viel zu kurz kommt.

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Heidi hat hier bereits wunderbar unser Projekt beschrieben. Ich will da gar nicht viel mehr hinzufügen. Wir haben den gemeinsamen Blog Fotodialog gestartet und freuen uns über Besuch, Kommentare, Austausch.

Fotogialog
https://fotodialog.wordpress.com/

Abschließend bleibt mir noch schreiben, dass ich mich sehr auf den die fotografische Unterhaltung mit Heidi freue und gespannt bin, wohin sich der Dialog entwickeln wird. Alles kann, nichts muss.

Annett