Fotodialog – eine Bekanntmachung

Schon öfter habe ich mich auf meinem Blog darüber ausgelassen, dass unsere Gesellschaft immer mehr in immer kürzerer Zeit konsumiert. Konsum jeglicher Art übrigens. Die Welt scheint sich schneller und schneller zu drehen. Neuigkeiten verdienen kaum noch diesen Begriff, denn sie veralten zu schnell. So ziemlich alles und jeder ist permant verfügbar. Abschalten? Lieber nicht.

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Im großartigen Depeche Mode Song „Going Backwards“ (vom Album „Spirit“) gibt es zwei Stellen, die ziemlich gut ausdrücken, was ich oft fühle, aber nicht so gut benennen kann:

We can track it all with satellites
See it all in plain sight
Watch men die in real time
But we have nothing inside
We feel nothing inside

und diese hier:

We’re going backwards
Armed with new technology
Going backwards
To a caveman mentality

Mitunter fühlt sich der Fortschritt für mich nach Rückschritt an. Verrückt, oder?

Bei dieser Schnelligkeit und ständigen Verfügbarkeit frage ich mich, wo bleibt unser Genuß? Können wir das noch? Können wir einen Schritt zurückgehen, langsamer und bewußter leben? Weniger produzieren und weniger konsumieren? Ich möchte diese Frage nicht für unsere Gesellschaft oder die diversen Industriezweige beantworten, aber ich möchte herausfinden, ob es mir für die Fotografie gelingen kann. Zumindest möchte ich es versuchen!

Und weil Versuche zu zweit mehr Spaß machen (und es dabei hilft nicht die Motivation zu verlieren) haben Heidi vom Nahaufnahme Blog und ich ein gemeinsames Projekt gestartet. Wir wollen beim Fotografieren Tempo rausnehmen. Wir wollen uns intensiver mit dem Foto der anderen und dem eigenen Foto beschäftigen. Wir wollen uns ganz und gar auf die Fotos einlassen. Es soll ein Dialog stattfinden. Nicht mit Worten, sondern mit unseren Fotos. Ein Foto nach dem anderen. Immer abwechselnd. Es gibt noch kurze Briefe, aber der eigentliche Dialog findet in den Fotos statt. Das zwingt sowohl uns, als Fotografinnen, als auch den Betrachter genau hinzusehen. Und genau hinsehen ist auch etwas, was leider viel zu kurz kommt.

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Heidi hat hier bereits wunderbar unser Projekt beschrieben. Ich will da gar nicht viel mehr hinzufügen. Wir haben den gemeinsamen Blog Fotodialog gestartet und freuen uns über Besuch, Kommentare, Austausch.

Fotogialog
https://fotodialog.wordpress.com/

Abschließend bleibt mir noch schreiben, dass ich mich sehr auf den die fotografische Unterhaltung mit Heidi freue und gespannt bin, wohin sich der Dialog entwickeln wird. Alles kann, nichts muss.

Annett

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22 Kommentare zu „Fotodialog – eine Bekanntmachung

  1. Ihr habt da eine wunderschöne Idee. Viel Erfolg Euch beiden. Ich selbst bin auch eher ein slow Fotograf. Besonders bewusst wird mir das immer bei Landschaftsfotos in regionalen Gruppen. Kaum fand ein besonderes schöner Sonnenuntergang statt oder ein markantes Wetter, gibt es die ersten top bearbeiteten Fotos davon bei facebook. Wie am Fließband. Wann lassen die anderen denn mal die Fotos wirken? Ich brauche zum bearbeiten viel mehr Zeit.

    Gefällt 3 Personen

    1. Nachdem mich genau DAS auf fb total genervt hat, bin ich da eigentlich nur noch angemeldet, aber nicht mehr aktiv… und die Lust daran, Alltägliches – auch etwas eigentlich immer wieder so Besonderes wie einen schönen Sonnenuntergang – zu fotografieren, ist mir auch etwas vergangen… immer öfter lasse ich die Kamera zu Hause und schaue einfach nur so, tanke einen Sonnenuntergang allein für mich, nicht um ein Foto zu machen… auch wenn ich dran denke, wie das wohl auf einem Foto aussehe, kann ich da gut widerstehen;-)… Wenn ich dann die Kamera in die Hand nehme, tue ich das sehr bewusst… unterm Strich mache ich mittlerweile immer weniger Fotos, aber ich hoffe, wenn, dann „bessere“;-)… … Und die, die in meinem Kopf und Herzen abgespeichert werden, sind eh die Wertvollsten;-)… … wir können da aber nicht die „Welt“ beklagen, das hat jeder von uns selbst in der Hand… nur sich dem Sog entziehen, ist sicherlich nciht immer so einfach… hat schon ziemlichen Suchtcharakter… … Darum freue ich mich auch sehr auf das Projekt: da rückt Fotografie noch mal anders ins Bewusstsein für mich, denn ich fotografiere schon sehr gerne… … es darf nur nicht so viel Tempo aufnehmen, dann tut es mir nicht gut… wenn alles um uns herum allerdings so viel Fahrt aufnimmt, ist es in dem ganzen Input schon manchmal schwer, „bei sich“ zu bleiben und genau das zu fühlen: dass es nicht immer gut tut sich „volllaufen“ zu lassen mit Input…
      In diesem Sinne wünsche ich jedem, dicht an sich selbst und seinen Gefühlen zu bleiben und dann aus diesem Beisichsein heraus, die Kamera in die Hand zu nehmen… dann macht’s wirklich Spaß;-)

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Annett, sehr schöner Beitrag mit tollen Doppelbelichtungen… dafür braucht man auch etwas mehr Zeit als für ein übliches Foto, beschäftigt sich also länger damit, ist langsamer… auch der Weg auf dem ersten Foto gefällt mir als Symbol ganz gut;-)…

    Gefällt 1 Person

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