Persönliche Fehlgriffe

In der virtuellen Welt scheint oftmals alles perfekt und fehlerfrei. Alles scheint mühelos und gelungen. Auch ich präsentiere hier nur Fotos, die ich persönlich gelungen finde und die mir gefallen (und dieser Beitrag wird die regelbestätigende Ausnahme sein). Natürlich ändert sich mein Geschmack und einige Fotos aus meinen älteren Beiträge, würde ich heute vermutlich nicht mehr zeigen. Aber „damals“ hatten sie ihre Berechtigung und ich stand hinter ihnen.

Egal, ob man Musiker, Fotograf, Maler, Schriftsteller, etc. ist, niemand präsentiert Werke, die den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Das ist richtig und gut so. Aber – und das ist mal so sicher wie das Amen in der Kirche – jeder Künstler produziert auch Outtakes. Damit meine ich nicht, die Zweite-Wahl-Fotos einer Serie, sondern eigenständige Ideen, die einzigartig, genial und umwerfend erscheinen. So lange, bis sie  in die Realität umgesetzt werden. Solche Fehlgriffe hat bestimmt jeder schon produziert, auch wenn niemand darüber spricht, schreibt oder sie zeigt.

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Da hat man habe ich also eine absolut großartige kreative Idee und in meinem Kopf entstehen die ansprechensten Fotos. Voller Vorfreude starte ich die Vorbereitung und Umsetzung meiner Idee. Die Bilder in meinem Kopf werden klarer, die Vorstellungen genauer und ich bin mir sehr sicher, dass diese Idee ein voller Erfolg werden wird.

Nach getaner fotografischer Arbeit entnehme ich die Speicherkarte, um mein einmaliges Werk am PC zu bestaunen. Und bereits die ersten Fotos sind … nun ja … ernüchternd. Sie sind definitiv anders als in meiner Vorstellung – wenn ich Glück habe, sind sie besser, aber wenn es nicht gut läuft, sind sie …. schlecht(er). Aber nun, es sind eben auch die ersten Fotos. Ich  muss doch erst mal warm werden und den richtigen Zugang zu meiner Idee finden. Die Übertragung von Kopf auf Speicherkarte macht etwas Mühe und ich brauche eine Weile bis ich im Flow bin. So rede ich mir die ersten 50 Fotos schön. Leider sehen die nächsten 100 Fotos auch nicht gelungener aus. Die digitalen Fotos sehen wirklich so ganz anders aus als die gedanklichen Bilder.

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Ein voller Reinfall. Aber die Idee! Die Idee war doch wirklich gut. Die Umsetzung aber nicht. So etwas kommt vor. Passiert jedem. Je nachdem wie überzeugt ich von meiner Idee bin, starte ich noch einen oder zwei weitere Versuche. Machnmal erfolgreich. Manchmal ebenso daneben wie der erste Versuch.

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Das ist der Punkt an dem ich einsehe, dass einige Ideen einfach nicht dafür gemacht sind, mehr als eine Person zu erfreuen. Und so bleiben von dieser Idee nur noch die Bilder in meiner Vorstellung (nach wie vor übrigens ausgesprochen ansprechend) und ich trauere darum, dass ich diese Idee nicht umsetzen konnte. Aber die Trauer verschwindet recht schnell und die nächste Idee schleicht sich in meine Gedanken. Vielleicht ja dieses Mal …. wer weiß. Versuchen muss ich es jedenfalls.

Annett

P.S. Die Fotos, die diesen Beitrag „schmücken“, sind Fotos einer gescheiterten Idee. Dieses Mal – und vermutlich nur dieses eine Mal – habe ich entschieden, sie nicht gleich im virtuellen Papierkorb verschwinden zu lassen. Jedenfalls nicht alle 150. Manchmal mache ich aus der Not eine Tugend.

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21 Kommentare zu „Persönliche Fehlgriffe

  1. ich finde generell nicht, dass diese bilder für die tonne wären. manchmal ist dann die umsetzung auch „nur“ einfach nicht so wie in der vorstellung und daher findet man sie selbst schlecht – das bedeutet nicht zwangsläufig, dass das alle anderen auch tun. ich mag diese experimente übrigens. ich hab das selbst auch mal ausprobiert und im gegensatz zu dir mag ich die ergebnisse total gern, falls du schauen magst:

    https://paleica.com/2017/01/01/magische-mottos-2-0-jaenner/
    https://paleica.com/2017/01/11/abstrakt-pt-ii-ein-preset-fuer-euch/

    also ich denke, manchmal darf man diese bilder auch zeigen und den lesern die chance geben, für sich etwas dabei rauszuholen 🙂

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    1. Danke, Paleica. Ja, vielleicht war ich so gefrustet, weil die fertigen Fotos sehr von meiner Vorstellung abwichen (obwohl ich bunt und abstrakt wollte. Aber irgendwie anders bunt und anders abstrakt :D).

      Deine Beiträge sind schön – ich erinnerte mich wieder. Irgendwie stöber ich viel zu selten in den eigenen älteren Beiträgen oder in denen anderer Blogger. Schade.

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      1. ich glaube, das ist normal. es gibt soviel neues, dass man wenig zeit findet, sich mit schon einmal gesehenem auseinanderzusetzen.

        ich kenne die eigene frustration über solche dinge übrigens gut und das ist ja auch legitim. ich wollte auch nur damit sagen, dass jemand anderes das viel positiver wahrnehmen kann 🙂

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    1. Danke, Diana. Ich finde schön, was Du in den Fotos siehst und ich freue mich, dass Du mich an Deinen Gedanken teilhaben lässt. Überhaupt fange ich an die Fotos nochmal genauer zu betrachten und ihnen auch ein wenig Gefallen entgegen zu bringen – nachdem ich zwar doch etwas anderes im Kopf hatte, aber die Fotos an sich nach dem Veröffentlichen hier durchaus Zuspruch finden.

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  2. Und wieder sind wir beim jeweiligen Betrachter 😉 ich persönlich finde die Bilder überhaupt nicht misslungen 😉 Allerdings vllt auch deshalb, weil ich Deine ursprüngliche Idee nicht kannte… Für mich ist das ne Mischung aus Chaos und Harmonie und es gibt für mich keinen Grund, diese Bilder nicht zu zeigen oder gar zu löschen…

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    1. Ja, abstrakt sollten sie werden. Nur anders abstrakt. 😉 Mittlweile glaube ich, dass meine Enttäuschung nur aus der Differenz zwischen Vorstellung und Realität herrühren. Die Fotos an sich, finden ja durchaus Zuspruch.

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  3. Ja, manchmal ist es nicht einfach eine Idee umzusetzen, obwohl man alles ganz klar vor Augen hat. Ich finde solch Fehlschläge aber gar nicht schlimm. Viel schlimmer fände ich es, keine Ideen zu haben. Ich weiß zwar nicht welche Idee hinter diesen Bildern steckt, aber sie sind erfrischend anders als das was man sonst überall sieht. Das gefällt mir.

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar und die aufbauenden Worte, Nico. Du hast Recht! Schlimmer wäre es, keine Ideen zu haben. Ich wollte in diesem Fall abstrakt und bunt, aber irgendwie anders abstrakt und anders bunt. 😉

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  4. Hallo Annett,
    ich finde die Motive nicht schlecht…auch nicht richtig gut aber so das es sich lohnt daran weiterzuarbeiten….Ich für meine Person habe mit Sicherheit mehr Outtakes als gute Fotos gemacht…es gibt Serien da arbeite ich seit Jahren dran…aber irgendwie kriege ich die letzte Kurve nicht…alles wandert auf die Festplatte zwecks Wiedervorlage in einiger Zeit…wäre vielleicht mal eine Idee einen Blog nur mit (vermeintlichen) nicht gelungenen Motiven …vermutlich finden die dann mehr Zuspruch als die Bilder die du für gut hälst …(eine meiner Lieblingsserien an der ich seit 8 Jahren fotografiere hat genau 30 Likes bekommen während das nachfolgend gezeigte Motiv für eine Werbekampagne über 200…schnief, das Leben ist fies 🙂
    In diesem Sinn, weitermachen..wünscht sich Jürgen und grüsst herzlich.

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    1. Hallo Jürgen, danke für Deinen Zuspruch. Ich weiß den sehr zu schätzen. Du motivierst mich meiner abstrakt und bunt Vorstellung noch mal eine Chance zu geben. Die Sache mit der Wiedervorlage ist eine gute Idee. Zeit verändert/relativiert so viel. Auch Fotos.
      Deine Idee vom Outtakes-Blog ist auch super. Aber alleine würde ich den nicht füllen wollen. Vielleicht könnte es aber eine feste und wiederkehrende Kategorie auf dem Blog werden. Oder eine Blogparade für jeden zum mitmachen …. Mal sehen …. Deine Outtakes sind bestimmt wunderbar und nur für Dich Outtakes. 😉
      Du hast mich neugierig gemacht! Magst Du mal Deine Lieblingsserie verlinken?
      Gruß, Annett

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  5. Ja, das kenne ich auch. Besonders, wenn man extra irgendwo hingereist ist und nachher feststellen muss, dass die fotografische „Ausbeute“ nicht den Erwartungen entspricht – dann kann der Frust gross sein.

    Diese abstrakten Bilder mögen nicht genau deinen Erwartungen entsprechen. Wenn man die aber nicht kennt, so sind diese Beispiele hier durchaus sehenswert. Vor allem das erste, das „Beitragsbild“, gefällt mir gut. Ich mag solche farblich ansprechenden, aber irgendwie rätselhaften Bilder. Bieten viel Spielraum für eigne Interpretationen.
    LG Franz

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    1. Oh ja, wenn man noch extra anreist und vielleicht etwas weiter fährt, dann Fehlgriffe noch ärgerlicher. Aber auch das schützt nicht vor ihnen. Sie gehören zur fotografischen Entwicklung eines jeden :D.

      An meinenm „Abstrakt und Bunt Fehlgriff“ will ich mich noch mal versuchen. 😉

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