Golden Poppy Flower

Motivsuche kann einfach sein. Eigentlich wollte ich so etwas banales wie den wöchentlichen Einkauf zu erledigen, aber dann fand ich die abgerissene Blüte einer California Poppy Flower im Garten und konnte einfach nicht dem leuchtenden Gelb widerstehen. Es verlangte geradezu danach unbedingt und sofort fotografisch festgehalten zu werden. Nun denn – ich fügte mich klaglos in mein Schicksal, wohl wissend, dass anschließend noch reichlich Zeit für den Einkauf bleiben würde.

Entstanden sind einfache Blütenfotos in dem Versuch das Gelb noch mal richtig leuchten zu lassen, bevor die Blüte für immer verwelkt sein würde.

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Annett

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Persönliche Fehlgriffe

In der virtuellen Welt scheint oftmals alles perfekt und fehlerfrei. Alles scheint mühelos und gelungen. Auch ich präsentiere hier nur Fotos, die ich persönlich gelungen finde und die mir gefallen (und dieser Beitrag wird die regelbestätigende Ausnahme sein). Natürlich ändert sich mein Geschmack und einige Fotos aus meinen älteren Beiträge, würde ich heute vermutlich nicht mehr zeigen. Aber „damals“ hatten sie ihre Berechtigung und ich stand hinter ihnen.

Egal, ob man Musiker, Fotograf, Maler, Schriftsteller, etc. ist, niemand präsentiert Werke, die den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Das ist richtig und gut so. Aber – und das ist mal so sicher wie das Amen in der Kirche – jeder Künstler produziert auch Outtakes. Damit meine ich nicht, die Zweite-Wahl-Fotos einer Serie, sondern eigenständige Ideen, die einzigartig, genial und umwerfend erscheinen. So lange, bis sie  in die Realität umgesetzt werden. Solche Fehlgriffe hat bestimmt jeder schon produziert, auch wenn niemand darüber spricht, schreibt oder sie zeigt.

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Da hat man habe ich also eine absolut großartige kreative Idee und in meinem Kopf entstehen die ansprechensten Fotos. Voller Vorfreude starte ich die Vorbereitung und Umsetzung meiner Idee. Die Bilder in meinem Kopf werden klarer, die Vorstellungen genauer und ich bin mir sehr sicher, dass diese Idee ein voller Erfolg werden wird.

Nach getaner fotografischer Arbeit entnehme ich die Speicherkarte, um mein einmaliges Werk am PC zu bestaunen. Und bereits die ersten Fotos sind … nun ja … ernüchternd. Sie sind definitiv anders als in meiner Vorstellung – wenn ich Glück habe, sind sie besser, aber wenn es nicht gut läuft, sind sie …. schlecht(er). Aber nun, es sind eben auch die ersten Fotos. Ich  muss doch erst mal warm werden und den richtigen Zugang zu meiner Idee finden. Die Übertragung von Kopf auf Speicherkarte macht etwas Mühe und ich brauche eine Weile bis ich im Flow bin. So rede ich mir die ersten 50 Fotos schön. Leider sehen die nächsten 100 Fotos auch nicht gelungener aus. Die digitalen Fotos sehen wirklich so ganz anders aus als die gedanklichen Bilder.

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Ein voller Reinfall. Aber die Idee! Die Idee war doch wirklich gut. Die Umsetzung aber nicht. So etwas kommt vor. Passiert jedem. Je nachdem wie überzeugt ich von meiner Idee bin, starte ich noch einen oder zwei weitere Versuche. Machnmal erfolgreich. Manchmal ebenso daneben wie der erste Versuch.

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Das ist der Punkt an dem ich einsehe, dass einige Ideen einfach nicht dafür gemacht sind, mehr als eine Person zu erfreuen. Und so bleiben von dieser Idee nur noch die Bilder in meiner Vorstellung (nach wie vor übrigens ausgesprochen ansprechend) und ich trauere darum, dass ich diese Idee nicht umsetzen konnte. Aber die Trauer verschwindet recht schnell und die nächste Idee schleicht sich in meine Gedanken. Vielleicht ja dieses Mal …. wer weiß. Versuchen muss ich es jedenfalls.

Annett

P.S. Die Fotos, die diesen Beitrag „schmücken“, sind Fotos einer gescheiterten Idee. Dieses Mal – und vermutlich nur dieses eine Mal – habe ich entschieden, sie nicht gleich im virtuellen Papierkorb verschwinden zu lassen. Jedenfalls nicht alle 150. Manchmal mache ich aus der Not eine Tugend.

Die Leichtigkeit des Fotografierens

Fotografieren ist eine wunderbare Tätigkeit. Es fördert Kreativität, trägt zur Entspannung bei, schult den Blick, macht gute Laune. Alles in allem macht das Fotografieren Spaß. Aber oft, so scheint mir, wird dieser Spaß vergessen. Vergessen über Regeln zum Fotoaufbau. Vergessen über Technikdiskussionen. Vergessen im Perfektionswahn unserer Gesellschaft. Vergessen bei der hohen Schlagzahl, die in den sozialen Medien herrscht. Vergessen bei der Suche nach DEM Motiv aller Motive. Vergessen bei einer Unzahl an langweiligen Fotos. Vergessen auf der Suche nach belanglosen Likes. Aus der einstigen Leichtigkeit des Fotografierens ist eine ungeahnte Bürde geworden.

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Das ist ziemlich schade. Ich bin dafür wieder mehr Leichtigkeit in meine Fotografie zu bringen. Ich denke am ehesten lässt sich diese Leichtigkeit zurückerobern, in dem ich nicht nur mit dem Kopf fotografiere, sondern auch Bauchgefühl und Herz wieder verstärkt zulasse. Ich kann Musik hören und fühlen. Und so kann ich auch Foto sehen und fühlen – sowohl beim Aufnahmen als auch beim anschließenden Betrachten.

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Ich bin beim Fotografieren sowieso schon immer ein Bauchmensch gewesen. Der Kopf hat dabei nie eine große Rolle gespielt, sondern ich habe von Anfang an aus dem Bauch und oftmals „unbewußt“ fotografiert. Und so fotografiere ich auch heute noch. Dennoch kommt es mir so vor, als ob ich diese Leichtigkeit und Unbeschwertheit meiner Anfangsjahre verloren habe und nun mehr „denke“ beim Fotografieren bzw. Fotos mit dem Kopf aufnehme. Nicht richtig bei der Sache bin, sondern gedanklich bereits beim nächsten Schritt.

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Ich weiß nicht, ob ich meine Leichtigkeit wieder finden kann, aber ich werde mich bemühen ohne mich zu sehr anzustrengen, weil das vermutlich kontra-produktiv in Bezug auf die Leichtigkeit ist. Ich möchte das Mühelose an der Fotografie wiederfinden und mich nicht vom Gewicht anderer Fotos runterziehen lassen.

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Vielleicht ist die Lösung aber auch einfach(er): machst Du es Dir schwer, dann ist es schwer. Machst Du es Dir leicht, dann ist es leicht. Vielleicht stehe ich mir also selbst im Weg, weil ich es mir schwer mache und mir selbst die Leichtigkeit raube? Aber zumindest von den hier gezeigten Fotos kann ich sagen, dass ich sie mühelos und mit jeder Menge Leichtigkeit in meinem Garten „gefunden“ habe. Da war sie wieder die Leichtigkeit und nun muss ich sie bloß noch zukünftig bewahren.

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Annett

 

Vergessene Träume

Da sind sie plötzlich wieder – meine vergessen geglaubten Träume. Ich meine nicht die Träume, die Nachts dafür sorgen, dass mein Gehirn aufgeräumt wird, sondern die Wünsche und Vorstellungen, die jeder von sich und seinem Leben hat. Die Ideale und Vorstellungen – mal vage, mal sehr konkret – mit denen wir aufwachsen und die wir im Laufe der Jahre entwickeln. Und die oft genug einfach ins Vergessen geraten. Weil … das Leben dazwischen kommt? Weil … man sich nicht intensiv genug mit ihnen auseinandersetzt? Weil … sie oft an Bedeutung verlieren und einfach nicht mehr wichtig sind? Weil … der Mensch, der sie träumte, ein anderer ist, als der, der sich an sie erinnert?

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Das ist völlig in Ordnung für eine Vielzahl meiner Jugendträume – geheim, rebellisch und realitätsfern. An diese Träume kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Aber da gibt es noch die anderen Träume. Träume, die mir mehr bedeuten. Träume, die zu wichtig sind, als das ich sie in die Kategorie Vergessen sortieren kann. Träume, die meinem Selbst und dem tiefsten Ich entspringen. Sie geraten in Vergessenheit, aber sie verschwinden nicht.

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Der Soundtrack meiner Jugendjahre befördert sie zuverlässig wieder ans Licht oder besser in mein Bewußtsein. Musik ist ein ziemlich guter Katalysator für Gefühle, Erinnerungen und Träume. Jedenfalls für mich. Für jemanden anderes funktionieren vielleicht Gerüche, Texte, Fotos oder einzelne Worte als Katalysator. Da sind sie dann also auf einmal wieder – die vergessenen Träume. Manche sind schon ziemlich „alt“ – sofern Träume überhaupt alt werden können. Dennoch erscheinen sie aktueller denn je. Eine merkwürdige Eigenschaft von Träumen. Obwohl ich nicht mehr der selbe Mensch wie vor 25 Jahren bin, sind die Träume noch dieselben. Ein wenig dringlicher und konkreter, aber im Prinzip dieselben.

Und was mache ich nun mit diesen Träumen? Am bequemsten wäre es sie wieder in die Schublade des Vergessens zu stecken, aber ich kriege die Schublade nicht mehr zu. Aber da ich nun über wesentlich mehr Lebenserfahrung und andere Mittel verfüge, kann ich mich differenziert mit ihnen auseinandersetzen und ein wenig Zeit ins Träumen investieren.

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Und weil meine vergessenen Träume so gar nichts mit Fotografie zu tun haben, aber dies doch ein Fotoblog ist, will ich Euch noch verraten – in der Annahme, dass es Euch interessiert – wie diese träumerisch anmutenden Fotos entstanden sind.

Nachdem ich bereits hier mit Multispektralfolie experimentiert habe, aber das Regenbogenauge aus der kwerbox leider durch den runden Papprand ein wenig einschränkend ist, habe ich mich an der Idee von Franz vom Blog Foto-Stil orientiert und mir einen eigenen „Multispektralfilter“ gebastelt. Das Ergebnis ist zufriedendstellend und die Handhabung beim Fotografieren wesentlich praktischer. Im Übrigen habe ich noch – in Ermangelung eines Makroobjektives – Makrozwischenringe benutzt bei diesen Aufnahmen.

Eine absolut entscheidene Zutat bei diesen Fotos ist allerdings die Sonne als Gegenlicht oder zumindest von der Seite. Erst dann werden die Spektralfarben sichtbar. Die Intensität der Spektralfarben lässt sich durch die Lichteinfall der Sonne beeinflussen.

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„Nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht.“

Carl Sandburg

Annett

Kann ein Foto zu wenig Inhalt haben?

Ich glaube darauf lässt sich nicht pauschal mit ja oder nein antworten, sondern das muss jeder für sich entscheiden.

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Ich persönlich mag wenig Bildinhalt auch mal ganz gern. Aber wann ist zu wenig zu wenig? Ich mag Weite, Ferne und irgendwie auch Leere. Ich mag das beim Spazieren gehen und ich mag es auf Fotos.

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Wann immer ich Weite sehe, erfasst mich ein Gefühl unbestimmbaren Verlangens und eine Sehnsucht hinaus ins Weite zu ziehen. Ich fühle mich sehr wohl, wenn ich den Blick frei schweifen lassen kann. Keine Bäume, keine Berge, keine Häuser, keine sonstwas, die den Blick unterbrechen und ablenken. Ich habe gern viel Himmel auf meinen Fotos. Viel Himmel vermittelt mir immer ein Gefühl von Weite und Größe.

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Alles ist so gleichmässig und gleichtönig. Nichts stört. Nichts überfordert die Eindrücke. Keine sichtbaren Grenzen. Man kann das minimalistisch nennen. Oder langweilig. Je nach persönlichen Vorlieben.

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Jemand anders hätte vermutlich im Gewimmel am Strand interessante Fotomotive gesehen, wie z. B. diese neuartige Hybrid Ferry. Die – so wie es scheint – sowohl im Wasser schwimmen als auch an Land fahren kann.

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Es ist ebend doch oftmals alles eine Frage der Perspektive. Ganz besonders auch bei Hybrid Ferries.

Annett

Regenbogenhyazinthen

Die ersten Frühlingsboten zeigen sich und natürlich möchte auch ich es nicht versäumen mich in die Reihe der Blümchenzeigenden einzureihen. Wer mag keine Blumen? Sie sind bunt, sie duften herrlich (leider nicht immer), sie sind perfekt – jede Blüte für sich. Ihr einziger Zweck ist das Blühen und somit Sichern des Fortbestandes. Entweder des eigenen und/oder den anderer.

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Ich habe in meinen Jahren der aktiven Fotografie schon viele wunderschöne Blüten und Blumen fotografiert. Aber für diese Hyazinthen sollte etwas „Besonderes“ bzw. Anderes her. Ohne konkrete Vorstellung wollte ich sie gern abstrakter und nicht so offensichtlich abbilden. Mir gefällt generell ein abstrakter und mitunter auch verfremdeter Blick auf alltägliche Dinge. Oder in diesem Fall Blumen.

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Mein Versuch mit den Makrozwischenringen überzeugte mich nicht. Auch ohne konkrete Vorstellung hatte ich mir die Fotos jedenfalls nicht so vorgestellt. Aber ein verfremdeter Eindruck durch Lichtbrechung und mit Spektralfarben war genau das, was ich anstrebte, wie ich schnell feststellte.

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Alles in allem habe ich nicht länger als 30 min experimentiert. Dann hatte ich die Fotos, die ich haben wollte. Ein gutes Gefühl. Mitunter kann die Fotografie einfach und unkompliziert sein.

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Je nach Lichteinfall (hinter den Hyazinthen) erscheinen die Spektralfarben stärker oder auch ganz schwach und kaum wahrnehmbar. Ich mag beide Varianten – alle hier gezeigten Fotos (mit Ausnahme des Fotos von der Kamera natürlich) ergeben für mich eine komplette Miniserie.

Für die interessierten Leser: Die Effekte und die Lichtbrechung sind ganz einfach zu erzielen. Ich habe vor einer Weile mal versucht mit einem Prisma die Spektralfarben in meine Fotos einzuarbeiten, war aber nicht zufrieden und fand das eher umständlich. Die Ergebnisse waren schlecht. Wie es der Zufall will, gab es in der vorletzten Kwerbox ein Regenbogenauge, dass sich wunderbar vor mein 50mm Objektiv kleben läßt. Nicht hübsch, aber simple enough und effektiv.

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Hier gibt es noch mehr Erklärungen und Ideen zum Regenbogenauge (und zum restlichen Inhalt der kwerbox 9): kwerfeldein.

Annett

einfach(er) fotografieren?

Mein Bloggerkopf und mein Fotografenherz sind leer. Seit Wochen schon möchte ich bloggen, aber ich finde kein reizvolles Thema. Es scheint, dass alles schon gesagt und geschrieben wurde – nur eben nicht von jedem. Und so überlege ich, worüber ich schreiben möchte und finde doch kein Thema. Ich lese in meiner Fotozeitschrift, aber nichts inspiriert mich. Für die technische Seite der Fotografie habe ich mich noch nie groß interessiert, geschweige denn gebloggt. Auch nach 11 Jahren fotografiere ich überwiegend intuitiv. Meine Fotoausstattung ist klein und übersichtlich. Wenn ich die Fotos anderer betrachte, interessiert mich überhaupt nicht, mit welcher Fototechnik und mit welchen Einstellung dieses Foto gemacht wurde. Mich interessiert die Bildwirkung und ob es mir gefällt, ob es mich anspricht. Oder eben nicht – warum nicht? Oft überlege ich, ob ich das Motiv genauso oder anders fotografiert hätte. Oder gar nicht. Das sind meine Gedanken und Interesse an Fotos.

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Also, kein Blogartikel über Technik. Über Kreativität bzw. den Mangel derselben habe ich gerade gebloggt und so stöber ich weiter in Zeitschriften, Fotoseiten und Fotoforen – immer auf der Suche nach der zündenden Idee. Ich betrachte die Fotos und denke darüber nach, ob meine Fotos ebenso gut oder schlecht sind. Oft entsteht bei mir der Eindruck, dass die Fotos eindrucksvoller als die Wirklichkeit sein müssen – nur dann scheinen es „gute“ bzw. beachtete Fotos zu sein. Alles muss schärfer, bunter und – ganz wichtig – anders als tatsächlich gesehen, abgebildet werden. Warum? Sind wir schon so digital geworden, dass wir den Schein der Pixel ansprechender finden als unsere eigene Wahrnehmung der analogen Welt? Muss ein Sonnenuntergang so leuchtend rot wie nach der Explosion einer Atombombe sein? Ist er das wirklich oder haben wir ihn so in Erinnerung und das Foto dann mit Hilfe diverser Fotoprogramme unserer Erinnerung angepaßt? Und egal wie die Antwort auf diese Frage ist, spielt das überhaupt eine Rolle? Oder kann jeder für sich entscheiden, wie ein Sonnenuntergang aussieht? Jeder schafft sich seine eigene Realtität. Mitunter gibt es Schnittmengen mit den Realitäten anderer. Es scheint alles wunderbar individuell zu sein. Aber der Schein trügt – so viel Individualität verschmilzt zu einem einheitlichen Ganzen.

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Daher muss ich genau hinsehen und gezielt gucken, um das Besondere aus dem individuellen Einheitsbrei herauszufinden. Gar nicht leicht und oft mühsam. So mühsam, dass mir die Lust daran vergeht und ich mich aus der digitalen Welt der anderen wieder ausklinke und meine eigene digitale Welt betrachte.

Ich habe mich in den letzten Wochen ziemlich exzessiv der schnellen und einfachen Fotografie mit dem Taschencomputer (aka Smartphone) hingegeben. Point-and-shoot sozusagen. Das Einfangen von Alltagsmomenten damit ist großartig einfach und ebenso großartig ist es dann über diese, zugegeben manchmal blassen, Alltagsmomente ein, zwei oder drei Filter zu legen. Es entsteht eine andere Lichtstimmung, die Farben verändern sich, die Bildwirkung wird neu. Interessanter. Ebend total anders als der schnöde Alltag. Das macht irgendwie den Reiz aus – das Gefühl aus einem langweiligen Moment etwas großartiges zu schaffen.

Wenn das aber ohne Smartphone und ohne Filterapps gelingt – nämlich aus der Welt vor der eigenen Haustür etwas großartiges zu schaffen – dann ist das großes Können. Mit einfachen Mitteln die Welt reizvoll und interessant abbilden. Vielleicht etwas abstrakter. Aber nicht übertrieben. Nicht überreizt. Aber eben auch nicht langweilig, denn wenn wir genau hinschauen ist unsere Welt nicht langweilig. Leider sind das die Fotos, die kaum Betrachtung finden werden, denke ich. Wir – als Gesellschaft – sind inzwischen so überstimuliert und reizüverflutet, dass das auch in unseren Fotos sichtbar wird.  Schade eigentlich.

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Annett

kreativ sein

Kreativ. Ein großes Wort, von dem jeder seine eigene Vorstellung hat. Die offizielle Version des Dudens bezeichnet kreativ als

schöpferisch, Ideen habend und diese gestalterisch verwirklichend.

Schöpferkraft – das ist auch meine Vorstellung von Kreativität. Ideen haben und Neues erschaffen. Die letzten Wochen war ich – entgegen dieser Überzeugung – jedoch völlig unkreativ. Ich hatte (vage, flüchtige) Ideen, aber näher durchdacht, umgesetzt bzw. verwirklicht habe ich sie nicht. Ich war weder in der Onlinewelt bloggend kreativ noch im tatsächlichen Leben. Ich hatte eine kreative Funkstille. Vielleicht habe ich sie noch immer. Aber ich sehne mich nach einer Wiederbelebung meiner Kreativität.

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Nun überlege ich schon eine geraume Weile, warum meine Kreativität eingefroren ist und ich keinerlei Motivation verspür(t)e mich kreativ zu betätigen, obwohl der Wunsch da ist. Ich habe für mich erkannt, dass ich Ruhe und Freiraum für Kreativität brauche. Ablenkung und „zu viel Action“ schadet. Wenn meine Gedanken keine Ruhe finden, weil ich sie mit zu viel Musik, TV, Handygedaddel, Konsum, (Hör-)Büchern und ähnlichem beschäftige, haben sie keine Möglichkeit Kreativität zu entfalten. Sie sind dann eingelullt und betäubt. Schaffe ich es aber diesen Ablenkungsstrom bewußt zu unterbrechen und die plötzlich eintretende Ruhe anzunehmen, erwachen meine Ideen wieder. Es ist faszinierend. Und auch völlig in Ordnung nicht ständig kreativ sein zu können (oder zu müssen!). Mein Alltag ist nicht immer gleichbleibend ruhig und frei, da bleibt dann manchmal weniger Freiraum für schöpferische Ideen und Aktivitäten.

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Passend zu meinen Gedanken beschäftigt sich auch das Fotomagazin in der Ausgabe 2/2018 damit kreativer zu werden. Überhaupt ist Kreativität irgendwie ein großes Thema – auch in anderen Zeitschriften und Medien. Tipps, wie man kreativer wird, gibt es zu Hauf. Mitunter sind die Tipps so konkret, dass sie schon widersprüchlich zur Kreativität stehen. Wo bleibt denn die (eigene) Schöpferkraft, wenn ich nur bestimmten Anweisungen folge? Bei Kreativität geht es doch darum, etwas Neues zu erschaffen. Wie soll es für etwas Neues denn bereits eine Methode bzw. eine konkrete Vorgehensweise geben? Es geht doch genau darum, seine eigene Methode und sein eigenes Ziel zu erkennen und zu verwirklichen.

In dem Artikel des Fotomagazins geht es jedoch weniger um (zu konkrete) Tipps, sondern um Kreativität im Allgemeinen. Tipps gibt es da nur am Rande. Interessanter finde ich dagegen die These des Kreativitätsforschers Karl-Heinz Brodbeck, dass Kreativität heute „demokratisiert, aber auch sehr beliebig“ geworden ist. Er unterscheidet verschiedene Grade von Kreativität. Kreativität ist heutzutage mehr Menschen zugängig als noch vor einigen Jahrzehnten. Dadurch wird Kreativität natürlich beliebiger und auch weiter.

Das deckt sich insofern mit meinen Erfahrungen mit der Kreativität als das ich einen freien Kopf brauche, um kreative Ideen entwickeln zu können. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Leben für den Großteil der Menschen wesentlich anstrengender und zeitaufwendiger als heute. Die Menschen hatten weniger Kapazitäten kreative Ideen zu entwickeln. Da spielt die von Maslow entwickelte Bedürfnis-Pyramide eine Rolle. Erst wenn ein Bedürfnis der unteren Stufe erfüllt ist, kann sich der Mensch um ein Bedürfnis der höheren Stufe kümmern. An unterster Stelle stehen unsere körperlichen Bedürfnisse. So lange ich hungrig, durstig, müde oder sonst was bin, sind mir kreative Ideen ziemlich gleichgültig. Und bis vor wenigen Jahrzehnten ging es auch in den heutigen Industrienationen noch vorrangig darum, die unteren Bedürfnisse zu befriedigen. Heutzutage geht es uns so gut, dass wir uns um unsere Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung kümmern können. Da dies auch die  Kreativität umfasst, ist es doch nur selbstverständlich, dass heutzutage mehr Menschen kreativ sind oder es zumindest sein wollen. Kreativität ist dadurch beliebiger geworden.

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Heutzutage geht es darum den schmalen Grat zwischen Ablenkung, Inspiration und Ruhe zu finden, damit sich unsere Kreativität entfalten kann. Obwohl ich oben erwähnte, dass meine Kreativität Ruhe und Freiraum zum entfalten braucht, braucht sie genauso Inspiration, also im Sinne von Anregung. Diese Anregung lässt sich meiner Meinung nach jedoch überall finden. Wir müssen nur präsent sein und uns die Mühe machen hinzusehen. Dabei hilft Entschleunigung. Entschleunigung tut gut und gibt uns Zeit in einer Situation auch wirklich anzukommen.

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Und manchmal brauche ich auch „einfach nur“ Geduld. Nämlich die Geduld Durststrecken und unkreative Phasen durchzustehen. Kreativität und Motivation kommen dann von ganz allein wieder.


„Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie.“ (Truman Capote)


Annett

with heart and soul

Als ich vor Jahren mit dem Fotografieren anfing, unterlag ich einem kolossalen Irrtum. Ich nahm nämlich an, dass ich als Fotograf ein Beobachter bin und in dieser Funktion außen vorstehe. Das ist grundlegend falsch. Zumindest, wenn man gute Fotos machen möchte.

Gute Fotos verlangen natürlich die Begeisterung oder zumindest das Interesse des Fotografen für das Motiv. Ich hatte angenommen, das sei ausreichend und habe mich daher in meiner Beobachterfunktion wohl gefühlt und es mir hinter der Kamera bequem gemacht. Erst jetzt habe ich erkannt, dass auch noch das Einlassen des Fotografen auf das Motiv wichtig ist. Vielleicht sogar wichtiger, wenn ich Fotos machen möchte, die nicht nur mir gefallen. Erst wenn ich die Kamera für einen Moment runternehme und nichts zwischen mir und dem Motiv ist, dann kann eine Verbindung entstehen auf die ich mich einlasse. Diese Kontaktaufnahme mit dem Motiv ist genauso wichtig wie das Motiv an sich. Ich musste demzufolge meine Ansicht ändern und vom Beobachter zum Teilnehmer werde. Aktiv statt passiv. Ich habe die Fotografie viele Jahre für passiv gehalten – sehen und Auslöser drücken. Dabei können schöne Fotos entstehen, aber das sind dann eben „nur“ schöne Fotos. Sie berühren dann nicht das Innerste beim Betrachter. Aber wenn das Herz und die Seele mitfotografieren, dann entstehen besondere Fotos. Fotos bei denen man merkt, das sie viel mehr sind als nur ein Foto. Das sie mehr tun als nur einen kurzen Moment der Zeit festzuhalten.

Viel prägnanter hat das übrigens Arnold Newman mit dem folgenden Zitat ausgedrückt:

„Wir nehmen Bilder nicht mit unseren Kameras auf, sondern mit dem Herzen.“

Und das funktioniert nur, wenn ich aufhöre Beobachter zu sein und mich auf mein Motiv einlasse. Aber das ist mal leichter, mal schwerer und oft gelingt es auch überhaupt nicht – dann jedoch mache ich inzwischen gar kein Foto mehr …

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Annett