experimentieren

Ich habe folgendes inspiriendes Zitat gelesen:

„Seien Sie nicht zu schüchtern und zögerlich in Ihren Handlungen. Das ganze Leben ist ein Experiment. Je mehr Sie experimentieren, desto besser.“

Ralph Waldo Emerson

Das passt gut zu meinem letzten Beitrag über die gefühlte Warteposition und wahrscheinlich hat es mich deswegen auch angesprochen. Wobei ich bei diesem Zitat Experimente nicht wortwörtlich als Experimente sehe, sondern meine, es bezieht sich darauf (kalkulierbare) Risiken im Leben einzugehen.

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Ich wünsche Euch ein Wochenende voller Experimente.

Annett

 

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abseits

Mitunter gibt es Tage, da fühle ich mich ins Abseits gedrängt. Raus aus meinem Leben und in eine Warteposition verbannt. Dazu bestimmt zuzuschauen und unfähig eine vernünftige Handlungsentscheidung zu treffen. Wie ein Flugzeug in der Warteschleife den Flughafen umkreisend, aber nicht in der Lage zu landen. Diese Tage fühlen sich verschwendet und ungelebt an. Dieser Abseitsstrudel ist gar nicht so leicht zu durchbrechen. Am einfachsten gelingt mir dies, indem ich gar nicht erst versuche den verlorenen Faden aufzunehmen, sondern ganz bewußt etwas anderes mache. Meistens ist es fotografieren. Dabei entstehen Fotos, deren einziger Zweck darin besteht, eine ungute Routine zu durchbrechen. Das funktioniert meistens und auch wenn die Fotos nicht zeigenswert sind, sind es doch wichtige Fotos für mich.

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Aber es gibt auch die Tage an denen ich mich in einer Abseitsposition fühle und dann nicht zur Kamera greife, weil ich weiß, dass es mir die gewünschte Ablenkung bringt, sondern weil ich unbedingt fotografieren muss. Weil es das einzige ist, was Sinn ergibt. Dann fotografiere ich ohne genaue Vorstellung und lasse mich treiben – von meinem Bauch und meinem Gefühl. Es entstehen Fotos von denen ich selbst überrascht bin. Sie sehen auf den ersten Blick unscheinbar aus. Erst beim zweiten Blick gewinnen sie an Kontur und ich finde Gefallen an den leisen und unauffälligen Fotos, die entstanden sind. Ganz anders als geplant, aber genauso wichtig und wertvoll wie andere Fotos.

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Und dann erkenne ich, dass eine Warteposition im Abseits mitunter auch nützlich sein kann. Manchmal brauche ich die Stille und Ruhe des Abseits. Das Verharren und Zaudern. Unser modernes Leben ist wild, bunt und voll. Von allem gibt es viel zu viel. Da kann man schon mal leicht vom Weg abkommen und sich verirren. Etwas Zeit abseits kann da helfen wieder zurück zum eigentlichen zu finden. Es kann helfen, den Blick neu zu fokussieren.

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Entscheidend ist nur, nicht zu lange im Abseits zu verweilen. Früher oder später muss man die Warteposition aufgeben –  mit neuer Energie und unverbrauchtem Blick auf altbekannte Dinge.

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Annett

Reflexion

Die letzten Tage gab es in dieser Region des Landes wunderbares Wetter. Zumindest, wenn man den üblichen November als Maßstab nimmt. Es war  genau das Licht, weswegen ich diesen Blog Winterlicht genannt habe. Die Luft war klar, absolut windstill und die Sonne steht mittlerweile so tief am Himmel, dass sogar zur Mittagsstunde das Licht weich und angenehm ist. In diesem Licht sieht fast alles gelungen und wunderbar aus. Das Licht schmeichelt. Das Licht lockt nach draußen. Das Licht begeistert. Das Licht verspricht tolle Fotos.

Auch ich fühlte das Versprechen und es zog mich ans Wasser. Absolut ruhiges und nahezu bewegungsloses Wasser. Es diente dem Himmel als Reflexionsfläche. Entstanden sind ruhige und minimalistische Fotos. Es ist nichts los auf meinen Fotos, aber sie spenden Ruhe und vermitteln ein Gefühl von Weite und Raum. Sie bereiten auf den nahenden Winter und der damit einherkommenden Stille vor. Die Welt scheint im Winter ruhiger zu werden – so wie sie auch jeden Abend ruhiger wird, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet.

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Annett

Wankelmütig

Vor genau einem Monat habe ich geschrieben, offline zu sein. Ich hatte mir die Entscheidung gut überlegt und war mir sicher – das Bloggen hatte mir keine Freude mehr bereitet. Nachdem ich also meine offline-Zeit bekannt gegeben habe, zog es mich immer öfter zum Blog zurück. Zu meinem (und manchmal auch zu anderen). Ich habe ganz viele meiner älteren Beiträge gelesen. Ich habe sie mit fremden Augen gelesen und mir gefiel, was ich las. Es hat noch immer seine Richtigkeit und spiegelt meine Gedanken wider. Die Beiträge aus meinem ersten Bloggerjahr würde ich heute vermutlich nicht mehr so veröffentlichen, aber sie gehören dazu und zeigen die Entwicklung dieses Blogs.

Und nun sitze ich hier, tippe in den WordPress-Editor und überlege erneut, wie es mit meinem Blog weitergehen könnte. Ich habe es nicht über’s Herz gebracht, diesen Blog komplett vom Netz zu nehmen und nun bringe es nicht über’s Herz gar nicht mehr zu schreiben. Mir fehlt dieses Sammelbecken meiner Gedanken. Natürlich könnte ich meine Gedanken auch sammeln und aufschreiben ohne sie zu veröffentlichen. Aber ich finde es reizvoll und motivierend zu schreiben mit dem Wissen, dass andere es lesen könn(t)en. Ich schreibe dann besser. Und oft auch ehrlicher.

Und dann sind da natürlich noch meine Fotos. Ja, ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Bilderflut im Internet überhand nimmt. Aber … auch ich möchte meine Fotos zeigen und anderen zugänglich machen. Ich denke nämlich, dass meine Fotos es durchaus verdient haben. 2018 war fotografisch für mich nicht sehr reichhaltig. Ich habe selten so wenig fotografiert, aber vielleicht ist auch das ein Entwicklungsschritt? Eine Entwicklung in die richtige Richtung, weil nämlich dadurch automatisch, das, was ich fotografiere an Bedeutung gewinnt. Ich fotografiere sorgfältiger und bedachter. Zumindest fühlt es sich so an.

Und so ist der Stand der Dinge. Die Entscheidung über diesen Blog schiebe ich auf und behalte mir vor, zu schreiben, wann immer ich schreiben möchte. Alternativ zeige ich einfach ein Foto von neulich. Ein Foto, das aussieht wie ein Rorschachtest. Zumindest ein bisschen. Und ich zeige dasselbe Motiv – aufgenommen ein Jahr zuvor bei völlig anderem Wetter und mit gänzlich anderer Bildwirkung. Ich mag beide sehr.

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Annett

Fotodialog – eine Bekanntmachung

Schon öfter habe ich mich auf meinem Blog darüber ausgelassen, dass unsere Gesellschaft immer mehr in immer kürzerer Zeit konsumiert. Konsum jeglicher Art übrigens. Die Welt scheint sich schneller und schneller zu drehen. Neuigkeiten verdienen kaum noch diesen Begriff, denn sie veralten zu schnell. So ziemlich alles und jeder ist permant verfügbar. Abschalten? Lieber nicht.

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Im großartigen Depeche Mode Song „Going Backwards“ (vom Album „Spirit“) gibt es zwei Stellen, die ziemlich gut ausdrücken, was ich oft fühle, aber nicht so gut benennen kann:

We can track it all with satellites
See it all in plain sight
Watch men die in real time
But we have nothing inside
We feel nothing inside

und diese hier:

We’re going backwards
Armed with new technology
Going backwards
To a caveman mentality

Mitunter fühlt sich der Fortschritt für mich nach Rückschritt an. Verrückt, oder?

Bei dieser Schnelligkeit und ständigen Verfügbarkeit frage ich mich, wo bleibt unser Genuß? Können wir das noch? Können wir einen Schritt zurückgehen, langsamer und bewußter leben? Weniger produzieren und weniger konsumieren? Ich möchte diese Frage nicht für unsere Gesellschaft oder die diversen Industriezweige beantworten, aber ich möchte herausfinden, ob es mir für die Fotografie gelingen kann. Zumindest möchte ich es versuchen!

Und weil Versuche zu zweit mehr Spaß machen (und es dabei hilft nicht die Motivation zu verlieren) haben Heidi vom Nahaufnahme Blog und ich ein gemeinsames Projekt gestartet. Wir wollen beim Fotografieren Tempo rausnehmen. Wir wollen uns intensiver mit dem Foto der anderen und dem eigenen Foto beschäftigen. Wir wollen uns ganz und gar auf die Fotos einlassen. Es soll ein Dialog stattfinden. Nicht mit Worten, sondern mit unseren Fotos. Ein Foto nach dem anderen. Immer abwechselnd. Es gibt noch kurze Briefe, aber der eigentliche Dialog findet in den Fotos statt. Das zwingt sowohl uns, als Fotografinnen, als auch den Betrachter genau hinzusehen. Und genau hinsehen ist auch etwas, was leider viel zu kurz kommt.

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Heidi hat hier bereits wunderbar unser Projekt beschrieben. Ich will da gar nicht viel mehr hinzufügen. Wir haben den gemeinsamen Blog Fotodialog gestartet und freuen uns über Besuch, Kommentare, Austausch.

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https://fotodialog.wordpress.com/

Abschließend bleibt mir noch schreiben, dass ich mich sehr auf den die fotografische Unterhaltung mit Heidi freue und gespannt bin, wohin sich der Dialog entwickeln wird. Alles kann, nichts muss.

Annett

12 magische Mottos – Kontraste

Paleica möchte Kontraste sehen und die soll sie auch bekommen. Obwohl mir die Bedeutung von Kontrast durchaus bekannt ist, habe ich dennoch aus Spaß an der Freude mein Fremdwörterlexikon bemüht – so ein ganz klassisches, mit Seiten aus Papier, wo ich Stunden brauche bis ich das gesuchte Wort gefunden habe, weil ich nämlich vorher über 5000 andere interessante Worte stolper. Ich nehme es nur noch selten aus dem Bücherregal, denn das Online-Bücherregal ist so viel bequemer (und langweiliger!).  Nun mein Papier-Duden bietet (unter anderem) diese zwei Definitionen von Kontrast:

  1. starker, ins Auge springender Gegensatz; auffallender Unterschied
  2. Unterschied in der Helligkeit der hellen und dunklen Partien eines Bildes (Fotografie)

Die 2. Bedeutung habe ich hier nicht aufgeführt, weil ich sie nicht verstanden. Irgendwas mit syntagmatisch – vermutlich ist das eh nur für Germanstikstudenten relevant. Außerdem hätte ich noch syntagmatisch nachschlagen müssen, aber das Wort übt so gar keinen Reiz auf mich aus (manchmal ist Weglassen einfach die bessere Entscheidung)

Die Bedeutung Nr. 3 ist irgendwie so passend, naheliegend und einleuchtend, dass ich mich glatt für die 1. Definition entschieden habe. Nachdem ich dann auch meine Idee mit den Komplementärfarben abgewählt hatte (die ursprüngliche Idee war Bildpaare in den Komplementärfarben rot – grün und blau – gelb zu zeigen), habe ich mich recht spontan entschieden, dieses magische Motto zum Gedenken an die Magnolie in meinem Garten zu nehmen. Zwischen den beiden nachfolgenden Fotos liegen 13 Tage, viel Polarluft, Hagel, Sturm, nächtliche Minusgrade und Regen. Das war zuviel für diesen wunderbaren Baum und so sind zwei sehr unterschiedliche Fotos innerhalb von wenigen Tagen entstanden. Und während ich diese Zeile tippe, schaue ich auf diesen traurigen Baum, bei dem derzeit die Farbe braun dominiert, weil die weißen und zartrosa Blüten vorzeitig verwelkt sind.

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Annett

Braucht das Kind einen Namen?

Was antwortet Ihr, wenn Ihr gefragt werdet, was Ihr fotografiert? Nicht in diesem einen speziellen Moment, sondern was Ihr ganz allgemein  fotografiert. Ich finde die Antwort echt schwer. Ich weiß, was ich nicht fotografiere, aber eine zufriedenstellende Antwort, was ich denn nun fotografiere, kann ich dem Fragenden nicht bieten. Braucht das Kind einen Namen? Brauche ich eine Schublade für meine Fotografie? Ich persönlich nicht unbedingt, aber ich verstehe, dass es andere für – zumindest eine grobe – Einordnung hilfreich finden. So sind wir Menschen einfach. Wir lieben Schubladen, Label, Kategorien, etc.. Erst wenn wir etwas klassifizieren können, fühlen wir uns wohl. Es hilft halt beim Einordnen der Dinge – im wahrsten Sinne des Wortes.

Mich bringt diese Frage nach dem „Was“ auch regelmässig ins Grübeln, wie ich mich bzw. meine Fotos denn am sinnvollsten klassifizieren könnte. Es geht nicht nur um die Eindordnung, sondern auch darum das ureigene Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu befriedigen. Dem Grunde nach sind Label und Klassifizierung natürlich nicht notwendig. Denn egal wie ich meine Fotografie bezeichne, die Fotos ändern sich dadurch nicht. Aber vielleicht ändert sich die Art und Weise wie sie betrachtet werden? Es macht einen Unterschied, ob ich sage, ich fotografiere abstrakt und das ist so gewollt oder ob ich im Gegensatz dazu einfach nur die Technik nicht beherrsche und mir ungewollt die Fotos mißlingen. Vielleicht ist es für mich auch so schwierig auf die Frage zu antworten, weil ich keine klare Linie habe? Anderseits, warum soll ich etwas, nämlich die Kategorie, bestimmen? Kann nicht jeder seine eigene Meinung haben? Es gibt immer mehr als eine passende Schublade für eine Sache.

Und daher habe ich bisher auch dem Fragenden die Beantwortung seiner Frage überlassen, indem ich einfach auf meine Fotos verweise. Jeder kann sie dann in die für sich passende Schublade einordnen. Aber manchmal hätte ich schon gern auch eine Schublade, in die ich meine Fotografie selbst einordnen kann …

Heute mache ich mal die Schublade mit dem Bahnhofsbildern auf. Endlich war ich mal wieder da. Seit ich Anfang des Jahres den Job gewechselt habe und ich nicht mehr mit den „Öffis“ fahre, habe ich gar nicht mehr am Bahnhof fotografiert. Sehr schade, denn die Bahnhofs-Schublade mag ich echt gern.

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Annett

Mit dem Essen spielt man nicht …

… aber manchmal fotografiere ich es. Beim Einkaufen entdeckte ich diese verschiedenen Chilis und konnte nicht widerstehen jeweils eine zu kaufen. Zum Fotografieren. Das war mir schon im Laden klar. Größer als mein Verlangen sie zu essen, war mein Wunsch sie zu fotografieren. Ich hatte auch sofort ein bestimmtes Bild vor meinen Augen. Ich habe es umgesetzt und es gefällt mir bereits jetzt, aber ich denke dennoch, das wird nicht die Endversion sein. Zumindest fühlt es sich noch nicht wie ein Endergebnis an. Mal sehen, was meine Kreativität die kommenden Tage noch zulässt. Die Chilis halten sich ja ein bißchen. Bevor sie dann eine nach der anderen in meinem Essen landen werden.

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Die Farben der Chilis! Sind sie nicht wunderbar!?

Annett

Mehr oder weniger?

Letzte Woche konnte ich den Frühling spüren – strahlender Sonnenschein und 12 °C. Und weil es so verlockend war, bin ich nachmittags nach Steinhude gefahren (mal wieder diesen Winter). Zum Fotografieren natürlich. Meinen Sohn lockte ich mit Eis, also Speiseeis. Das Steinhuder Meer war allerdings auch noch immer mit einer dicken Eisschicht bedeckt.

Und weil es so traumhaftes Wetter war, war Steinhude gut besucht. Unter anderem waren auch jede Menge Fotografen unterwegs (der zugefrorene See im sonnigen Winterlicht ist wirklich ein sehr dankbares Motiv – da kann kaum was schief gehen). Und so habe ich gestaunt, wie viel Ausrüstung einige mithaben. Ich bin in Sachen Fotoausrüstung recht minimalistisch unterwegs und daher bin ich die letzten Tage auch immer mal wieder ins Grübeln gekommen, ob ich dadurch nicht vielleicht DAS Foto verpasse!? Ist mehr Ausrüstung vorteilhafter? Ist es besser einen möglichst großen Brennweitenbereich abzudecken und ein Stativ dabeizuhaben? Und vielleicht noch ein, zwei Filter? Vielleicht begrenze ich mich ja nachteilig, wenn ich auf all das verzichte?

Es ist natürlich vor allem auch eine Typfrage. Wer technische Spielerei mag, dem würde vermutlich was fehlen, wenn der Fotorucksack nicht auf den Schultern drückt. Ich dagegen würde wahrscheinlich eh selten das Objektiv wechseln und noch seltener das Stativ aufbauen, weil … Ich weiß gar nicht genau warum. Ich schätze, weil es nicht das ist, was mich an der Fotografie reizt – also das Austesten von verschiedenen technischen Möglichkeiten und Varianten. Ich mag an der Fotografie, dass sie mich im Augenblick hält und aufmerksam sein lässt. Meine Gedanken sind in der gleichen Zeit wie der Rest von mir – nämlich im Jetzt. Sie sind da, wo das Leben stattfindet. Sie eilen nicht in die Zukunft zur Planung des nächsten Tages und schwelgen auch nicht in Erinnerungen vergangener Zeiten – wie sie es sonst sehr gern tun. Wenn ich fotografiere, sind meine Gedanken bei dem, was ich tue – nämlich ein Motiv suchen, das ich ablichten möchte. Ein Foto komponieren. Einen Moment einfangen und zum bleiben zwingen.

Weniger Technik lässt mich daher intensiver mit dem Motiv beschäftigen und somit auch intensiver im Jetzt verweilen. Die Begrenzung auf wenig Technik lässt mich mehr sehen. Und das nicht nur mit den Augen. Ich werde kreativer und freier bei der Ablichtung eines Motives. Das klingt wie ein Widerspruch, denn gemessen an den heutigen technischen Möglichkeiten begrenze ich meine technischen Möglichkeiten ja doch sehr. Und gerade diese Begrenzung gibt mir das Gefühl freier zu sein (oft ist es einfacher aus 3 Möglichkeiten als aus 10 auszuwählen). Und wenn ich mich freier fühle, können auch meine Gedanken und Bilder freier und kreativer entstehen. Dadurch das mein Gehirn sich nicht mit der „Technik-Frage“ beschäftigen muss, kann es sich mit Bildaufbau und dem Entdecken unerwarteter Motive beschäftigen. Entgegen allen hartnäckigen Gerüchten ist unser Gehirn tatsächlich nicht multitasking-fähig – es kann sich nur auf eine einzige Sache konzentrieren. Und da bei mir die verschiedenen Technikmöglichkeiten wegfallen und für keinerlei Ablenkung sorgen, sind die Kapazitäten frei für das Motiv. Und den Augenblick.

Und so habe ich vom letzten Mittwoch nicht nur die Fotos als Erinnerung, sondern auch die tatsächliche Erinnerung an einen Nachmittag im schönsten Winterlicht. Natürlich wird mein Gehirn im Laufe der Jahre diese Erinnerung abwandeln – aber was ist schon perfekt?

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„Der Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“ (Martin Heidegger)

Annett

12 Magische Mottos 2017 – Fenster & Fassaden

Zunächst hatte ich Zweifel an Paleicas Februar-Motto. Spontan dachte ich nämlich, das ist ein Thema, was mich so gar nicht interessiert. Tja, aber eigentlich nur, wenn man es auf Architektur bezieht. Irgendwann wurde mir klar, dass mich Fassaden tatsächlich nicht sonderlich interessieren, aber Fenster dafür. Genaugenommen eigentlich die Fensterscheiben. Weil sich in ihnen der Augenblick zeigt. Und als ich dann in meinem Archiv nach Fenstern gesucht habe, habe ich meine Umsetzung für das Februar Thema gefunden.

Es sind nicht „nur Fenster“, sondern es sind Zugfenster. Unglaublich, wie oft ich Zugfenster fotografiert habe. Also verhältnismäßig. Mir ist aufgefallen, dass wann immer ich einen Zug fotografiere, ich auch meistens die Fenster fotografiere. Also nur die Fenster. Oft im Vorbeifahren – weil die Bewegung des Zuges alles noch interessanter und den Augenblick flüchtiger macht. Aber manchmal auch bei Stillstand. Aus meinen gesammelten Zugfenstern habe ich also eine kleine Auswahl getroffen und entstanden ist eine nette Serie aus lauter ähnlichen Fotos. Ähnlich sind sie aber nur auf den ersten Blick.

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Danke Paleica, denn ohne Dich und Deine Mottos wäre diese Serie nie entstanden. Und ich denke darüber nach sie auszubauen.

Annett