Aufrüsten?

Am Wochenende habe ich so viel Zeit wie möglich ruhend und liegend verbracht (Erkältung – hat uns auch getroffen). Das wiederum gab mir Zeit im Internet zu stöbern und zu lesen. Bei fokussiert.com habe ich diesen interessanten Beitrag von Darius Kupzcak gelesen. Es geht um G.A.S. – das Gear Acquisition Syndrome. Ich werde nun nicht alles wiederholen, was dort so wunderbar geschrieben steht, aber auch ich habe in meinem Fotoleben tatsächlich Leute getroffen, denen ihre Ausrüstung wichtiger scheint als die Fotos, die sie machen. Es hat mich sehr verwundert (und – ich gestehe – früher auch ein wenig neidisch gemacht, weil ich mir nicht ständig die neuesten Kameras leisten kann.) Abgesehen davon, dass ich mein Geld auch gern für andere Dinge ausgebe, war ich die ersten Jahre so zufrieden mit der Kamera, dass ich mich nie nach einer anderen umgesehen habe. Ich bin nicht besonders Technik verliebt und so macht es mir auch keinen Spaß den Kameramarkt „zu beobachten“. Aber seit ungefähr einem Jahr ist sie nun da, diese Unzufriedenheit, weil meine Kamera langsam altersschwach wird.

Bisher habe ich mir erst eine digitale Spiegelreflexkamera geleistet. Falls sie noch jemand kennt: Nikon D80. Das war 2007. Seitdem begleitet sie mich. Sie hat mich nie im Stich gelassen. Es war Liebe auf den ersten Blick und die Liebe ist in all den Jahren nicht verschwunden. Wir sind ein „eingespieltes Team“. Aber nun hat sich die letzten Monate diese Unzufriedenheit in mein Herz geschlichen, weil sie ab und an ein paar Aussetzer hat und auch technisch einfach nachlässt. Alles in allem merke, dass nun die Zeit für etwas Neues gekommen. Ich möchte gern auf ein Model mit Vollbildsensor wechseln und habe auch schon ein Model im Auge (Nikon D750 – falls jemand neugierig ist).

Die Frage, die sich mir stellt, ist jedoch, warum einige Fotobegeisterte sich ständig neue Ausrüstung kaufen oder erweitern. Ist nicht irgendwann der Punkt erreicht, wo man genug hat? Oder ist es so, dass viele nicht wisssen, wo ihre fotografische Reise hinführt und sie deswegen die verschiedensten Ausrüstungsgegenstände kaufen? Oder sind sie einfach nur total technikbegeistert und verliebt? Oder muss man für gute Fotos immer up to date sein?

Sehen kann keine Kamera. Jede Kamera ist nur so gut, wie der Mensch dahinter. Ein gutes Foto auf eine gute Kamera zu schieben, ist genauso falsch wie ein schlechtes Foto mit einer schlechten Kamera zu begründen. Letztlich sind auch Kameras nur Werkzeuge um unsere Kreativität umzusetzen.  Ich finde zu sagen, dass es nur auf die Kamera ankommt, genauso falsch, wie die Aussage, dass nur der Bediener entscheidend ist. Ein guter Fotograf macht mit einer guten Kamera einfach bessere Bilder, als jemand, der weniger gut fotografiert (oder sehen kann) mit dem gleichen Kameramodell. Aber dennoch ist Aufrüsten nur um des Habens willen nicht sinnvoll und schränkt die Kreativität ein. Erst, wenn man nicht mehr für jede Situation das passende Objekt hat, sondern mit dem arbeitet, was einem zur Verfügung steht, werden die Fotos kreativer und die Ansätze freier. Man beginnt anders zu sehen und verschiedene Wege der Umsetzung auszuprobieren. Und manchmal scheitert man auch bei der Umsetzung und es landet nichts Verwertbares im Kasten.

Aus Bequemlichkeitsgründen hatte ich irgendwann nur noch meine 50 mm Festbrennweite auf der Kamera, wenn wir unterwegs waren. Die Gründe sind naheliegend – klein und leicht, was ungemein wichtig ist, wenn man allein mit einem aufgeweckten Kleinkind unterwegs ist. Und ich habe in den seltensten Fällen ein Zoomobjektiv vermisst. Eigentlich nie. Und nun ist es so, dass ich mitunter das Zoomen vergessen, wenn ich ein Zoomobjektiv draufhabe. Ich finde inzwischen das Fotografieren mit Festbrennweite einfacher und irgendwie auch minimalistischer, wobei ich das nicht in jeder Situation tue. Aber in meinem Alltag immer. Es ist so ein Art freiwilliger (technischer) Begrenzung, die zu kreativieren Fotos führt. Ich schau mir meine Alltagsfotos unheimlich gern. Sie sind nicht perfekt, aber immer auf den Punkt.

Letztlich ist es aber auch egal, welche Meinung man vertritt, denn das ist nur ein Weg von vielen, an dessem Ende das Foto steht. Und auch die, die unter G.A.S. „leiden“, machen am Ende nur Fotos. Und um genau diese Fotos geht es doch uns allen.

In diesem Sinne – zückt Eure Kameras, fotografiert und habt Spaß dabei!

Annett

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