experimentieren

Ich habe folgendes inspiriendes Zitat gelesen:

„Seien Sie nicht zu schüchtern und zögerlich in Ihren Handlungen. Das ganze Leben ist ein Experiment. Je mehr Sie experimentieren, desto besser.“

Ralph Waldo Emerson

Das passt gut zu meinem letzten Beitrag über die gefühlte Warteposition und wahrscheinlich hat es mich deswegen auch angesprochen. Wobei ich bei diesem Zitat Experimente nicht wortwörtlich als Experimente sehe, sondern meine, es bezieht sich darauf (kalkulierbare) Risiken im Leben einzugehen.

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Ich wünsche Euch ein Wochenende voller Experimente.

Annett

 

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Kann ein Foto zu wenig Inhalt haben?

Ich glaube darauf lässt sich nicht pauschal mit ja oder nein antworten, sondern das muss jeder für sich entscheiden.

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Ich persönlich mag wenig Bildinhalt auch mal ganz gern. Aber wann ist zu wenig zu wenig? Ich mag Weite, Ferne und irgendwie auch Leere. Ich mag das beim Spazieren gehen und ich mag es auf Fotos.

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Wann immer ich Weite sehe, erfasst mich ein Gefühl unbestimmbaren Verlangens und eine Sehnsucht hinaus ins Weite zu ziehen. Ich fühle mich sehr wohl, wenn ich den Blick frei schweifen lassen kann. Keine Bäume, keine Berge, keine Häuser, keine sonstwas, die den Blick unterbrechen und ablenken. Ich habe gern viel Himmel auf meinen Fotos. Viel Himmel vermittelt mir immer ein Gefühl von Weite und Größe.

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Alles ist so gleichmässig und gleichtönig. Nichts stört. Nichts überfordert die Eindrücke. Keine sichtbaren Grenzen. Man kann das minimalistisch nennen. Oder langweilig. Je nach persönlichen Vorlieben.

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Jemand anders hätte vermutlich im Gewimmel am Strand interessante Fotomotive gesehen, wie z. B. diese neuartige Hybrid Ferry. Die – so wie es scheint – sowohl im Wasser schwimmen als auch an Land fahren kann.

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Es ist ebend doch oftmals alles eine Frage der Perspektive. Ganz besonders auch bei Hybrid Ferries.

Annett

Regenbogenhyazinthen

Die ersten Frühlingsboten zeigen sich und natürlich möchte auch ich es nicht versäumen mich in die Reihe der Blümchenzeigenden einzureihen. Wer mag keine Blumen? Sie sind bunt, sie duften herrlich (leider nicht immer), sie sind perfekt – jede Blüte für sich. Ihr einziger Zweck ist das Blühen und somit Sichern des Fortbestandes. Entweder des eigenen und/oder den anderer.

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Ich habe in meinen Jahren der aktiven Fotografie schon viele wunderschöne Blüten und Blumen fotografiert. Aber für diese Hyazinthen sollte etwas „Besonderes“ bzw. Anderes her. Ohne konkrete Vorstellung wollte ich sie gern abstrakter und nicht so offensichtlich abbilden. Mir gefällt generell ein abstrakter und mitunter auch verfremdeter Blick auf alltägliche Dinge. Oder in diesem Fall Blumen.

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Mein Versuch mit den Makrozwischenringen überzeugte mich nicht. Auch ohne konkrete Vorstellung hatte ich mir die Fotos jedenfalls nicht so vorgestellt. Aber ein verfremdeter Eindruck durch Lichtbrechung und mit Spektralfarben war genau das, was ich anstrebte, wie ich schnell feststellte.

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Alles in allem habe ich nicht länger als 30 min experimentiert. Dann hatte ich die Fotos, die ich haben wollte. Ein gutes Gefühl. Mitunter kann die Fotografie einfach und unkompliziert sein.

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Je nach Lichteinfall (hinter den Hyazinthen) erscheinen die Spektralfarben stärker oder auch ganz schwach und kaum wahrnehmbar. Ich mag beide Varianten – alle hier gezeigten Fotos (mit Ausnahme des Fotos von der Kamera natürlich) ergeben für mich eine komplette Miniserie.

Für die interessierten Leser: Die Effekte und die Lichtbrechung sind ganz einfach zu erzielen. Ich habe vor einer Weile mal versucht mit einem Prisma die Spektralfarben in meine Fotos einzuarbeiten, war aber nicht zufrieden und fand das eher umständlich. Die Ergebnisse waren schlecht. Wie es der Zufall will, gab es in der vorletzten Kwerbox ein Regenbogenauge, dass sich wunderbar vor mein 50mm Objektiv kleben läßt. Nicht hübsch, aber simple enough und effektiv.

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Hier gibt es noch mehr Erklärungen und Ideen zum Regenbogenauge (und zum restlichen Inhalt der kwerbox 9): kwerfeldein.

Annett

kreativ sein

Kreativ. Ein großes Wort, von dem jeder seine eigene Vorstellung hat. Die offizielle Version des Dudens bezeichnet kreativ als

schöpferisch, Ideen habend und diese gestalterisch verwirklichend.

Schöpferkraft – das ist auch meine Vorstellung von Kreativität. Ideen haben und Neues erschaffen. Die letzten Wochen war ich – entgegen dieser Überzeugung – jedoch völlig unkreativ. Ich hatte (vage, flüchtige) Ideen, aber näher durchdacht, umgesetzt bzw. verwirklicht habe ich sie nicht. Ich war weder in der Onlinewelt bloggend kreativ noch im tatsächlichen Leben. Ich hatte eine kreative Funkstille. Vielleicht habe ich sie noch immer. Aber ich sehne mich nach einer Wiederbelebung meiner Kreativität.

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Nun überlege ich schon eine geraume Weile, warum meine Kreativität eingefroren ist und ich keinerlei Motivation verspür(t)e mich kreativ zu betätigen, obwohl der Wunsch da ist. Ich habe für mich erkannt, dass ich Ruhe und Freiraum für Kreativität brauche. Ablenkung und „zu viel Action“ schadet. Wenn meine Gedanken keine Ruhe finden, weil ich sie mit zu viel Musik, TV, Handygedaddel, Konsum, (Hör-)Büchern und ähnlichem beschäftige, haben sie keine Möglichkeit Kreativität zu entfalten. Sie sind dann eingelullt und betäubt. Schaffe ich es aber diesen Ablenkungsstrom bewußt zu unterbrechen und die plötzlich eintretende Ruhe anzunehmen, erwachen meine Ideen wieder. Es ist faszinierend. Und auch völlig in Ordnung nicht ständig kreativ sein zu können (oder zu müssen!). Mein Alltag ist nicht immer gleichbleibend ruhig und frei, da bleibt dann manchmal weniger Freiraum für schöpferische Ideen und Aktivitäten.

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Passend zu meinen Gedanken beschäftigt sich auch das Fotomagazin in der Ausgabe 2/2018 damit kreativer zu werden. Überhaupt ist Kreativität irgendwie ein großes Thema – auch in anderen Zeitschriften und Medien. Tipps, wie man kreativer wird, gibt es zu Hauf. Mitunter sind die Tipps so konkret, dass sie schon widersprüchlich zur Kreativität stehen. Wo bleibt denn die (eigene) Schöpferkraft, wenn ich nur bestimmten Anweisungen folge? Bei Kreativität geht es doch darum, etwas Neues zu erschaffen. Wie soll es für etwas Neues denn bereits eine Methode bzw. eine konkrete Vorgehensweise geben? Es geht doch genau darum, seine eigene Methode und sein eigenes Ziel zu erkennen und zu verwirklichen.

In dem Artikel des Fotomagazins geht es jedoch weniger um (zu konkrete) Tipps, sondern um Kreativität im Allgemeinen. Tipps gibt es da nur am Rande. Interessanter finde ich dagegen die These des Kreativitätsforschers Karl-Heinz Brodbeck, dass Kreativität heute „demokratisiert, aber auch sehr beliebig“ geworden ist. Er unterscheidet verschiedene Grade von Kreativität. Kreativität ist heutzutage mehr Menschen zugängig als noch vor einigen Jahrzehnten. Dadurch wird Kreativität natürlich beliebiger und auch weiter.

Das deckt sich insofern mit meinen Erfahrungen mit der Kreativität als das ich einen freien Kopf brauche, um kreative Ideen entwickeln zu können. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Leben für den Großteil der Menschen wesentlich anstrengender und zeitaufwendiger als heute. Die Menschen hatten weniger Kapazitäten kreative Ideen zu entwickeln. Da spielt die von Maslow entwickelte Bedürfnis-Pyramide eine Rolle. Erst wenn ein Bedürfnis der unteren Stufe erfüllt ist, kann sich der Mensch um ein Bedürfnis der höheren Stufe kümmern. An unterster Stelle stehen unsere körperlichen Bedürfnisse. So lange ich hungrig, durstig, müde oder sonst was bin, sind mir kreative Ideen ziemlich gleichgültig. Und bis vor wenigen Jahrzehnten ging es auch in den heutigen Industrienationen noch vorrangig darum, die unteren Bedürfnisse zu befriedigen. Heutzutage geht es uns so gut, dass wir uns um unsere Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung kümmern können. Da dies auch die  Kreativität umfasst, ist es doch nur selbstverständlich, dass heutzutage mehr Menschen kreativ sind oder es zumindest sein wollen. Kreativität ist dadurch beliebiger geworden.

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Heutzutage geht es darum den schmalen Grat zwischen Ablenkung, Inspiration und Ruhe zu finden, damit sich unsere Kreativität entfalten kann. Obwohl ich oben erwähnte, dass meine Kreativität Ruhe und Freiraum zum entfalten braucht, braucht sie genauso Inspiration, also im Sinne von Anregung. Diese Anregung lässt sich meiner Meinung nach jedoch überall finden. Wir müssen nur präsent sein und uns die Mühe machen hinzusehen. Dabei hilft Entschleunigung. Entschleunigung tut gut und gibt uns Zeit in einer Situation auch wirklich anzukommen.

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Und manchmal brauche ich auch „einfach nur“ Geduld. Nämlich die Geduld Durststrecken und unkreative Phasen durchzustehen. Kreativität und Motivation kommen dann von ganz allein wieder.


„Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie.“ (Truman Capote)


Annett

Bild

abstrakte Liebe

Ich war in meinem Archiv und habe nach beinah vergessenen Schätzen Ausschau gehalten. Wie ihr vielleicht wißt, möchte ich meine alten Fotos neu entdecken und so ihren Lebenszyklus in dieser schnellebigen Zeit verlängern – diese Idee habe ich hier beschlossen.

Ich bin daher ganz gezielt zu den Anfängen meiner Fotografie gegangenen. Im Jahr 2007 war ich im Yellowstone und habe dort ein Foto gemacht, an das ich mich immer noch sehr gut erinnere und das mir seit 10 Jahren gefällt. Das könnte ich abstauen und schauen, ob ich ihm einen neuen (digitalen) Anstrich verpassen sollte/müsste/wollte.

So mein Plan für diesen Blogpost. Aber dann kam es anders.

Ich habe das Foto gefunden und statt wie üblich Freude beim Anblick zu empfinden, sehe ich nur noch die Fehler, die ich gemacht habe. Das Bild würde ich heute so nicht mehr fotografieren. Schlimmer noch ist, dass es seinen Reiz für mich verloren hat. Es gefällt mir nicht mehr. Ich sehe nur das überbelichtete Weiß, den abgeschnittenen Baum und eine allgemeine Disharmonie, die mir nicht zusagt,, die ich aber auch nicht näher bestimmen und so vielleicht ändern kann. Es ist wirklich merkwürdig. Wie kann ein Foto, das mir mal sehr viel bedeutet hat, sich so von mir abwenden? Oder besser: ich von ihm? Offenbar haben sich meine fotografischen Vorlieben in all den Jahren sehr gewandelt, aber so stark? Anderseits ist niemand derselbe, der er noch vor 10 Jahren war. Da ich also keine andere Wahl habe, versuche ich diese Vorstellung zu akzeptieren. Denn ändern kann und will ich es nicht mehr.

Nachdem ich mich nun also ein wenig ausgejammert habe, werde ich mein ehemaliges Lieblingsstück trotzdem zeigen. Auch wenn ich das Foto heute so nicht mehr aufnehmen würde, gehört es doch zu meiner fotografischen Entwicklung. Und nur weil ich enttäuscht bin und das Mißlungene sehe, heißt das nicht, dass es anderen auch so geht.

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Aber kein Blogpost ohne Happy End. Während ich also auf dem Weg zu einem ehemaligen und fast vergessenen Lieblingsfoto bin, stolpere ich über ein anderes, das ich damals ebenfalls im Yellowstone National Park, wenngleich an anderer Stelle, gemacht habe. Dieses Foto habe ich aber 10 Jahre ignoriert. Und wieder frage ich mich, wie sich meine fotografischen Vorlieben so ändern konnten!?

Ich mag an diesem Foto, dass ich es lange betrachten und dennoch neue Details entdecken kann. Ich mag daran, dass genaugenommen gar nicht klar ist, wo oben und unten ist. Ich mag daran, dass es in schwarz/weiß besser wirkt als in Farbe. Ich mag daran, dass es alles Mögliche sein. Ich weiß, was es ist, aber ein fremder Betrachter nicht. Ich mag das Abstrakte, jemand anderes vielleicht nicht. Ich mag die Vielfalt die dieses Foto anbietet. Ich mag das Einfache daran und das es ohne viel Schnickschnack trotz allem interessant ist. Zumindest für mich.

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Und so habe ich genaugenommen einen neuen Schatz gefunden, das jedoch fast im digitalen Nirwana verschwunden wäre. Aber eben nur fast.

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.

>Heraklit von Ephesus<

Annett

Für mehr Langsamkeit

Einer der ersten Fotografen mit denen ich mich näher beschäftigt habe, war Ansel Adams. Das war vor 10 Jahren. Immer wieder stolper ich über seine Fotos, abgesehen davon, dass ich zwei seiner Bücher im Bücherregal habe. Als nächstes galt mein Interesse Annie Leibowitz. Dann haben mich Fotografen wie Elliot Erwitt, Brett Weston und – aktuell – Bruce Barnbaum begeistert. Keine Frage, das sind/waren alles große Persönlichkeiten mit beeindruckenden, zeitlosen Werken. Und auch wenn ich nicht einmal die Kameratechnik mit ihnen gemeinsam habe, beeindruckt mich eines immer wieder an ihren Werken: nämlich die Sorgfalt, Genauigkeit und Zeitlosigkeit ihrer Fotos. Da steckt viel Arbeit drin, die man nicht sehen kann. Und sie sind das genaue Gegenteil von dem, was derzeit gerade passiert. Unser Leben ist schnell geworden. Und so ist unser Konsum und unsere Freizeit. Ruhe und Zeit sind kostbar geworden und werden doch inflationär benutzt, oft einfach nur verschwendet.

Und so ist es auch in der Fotografie geworden (natürlich kann sich eine Gesellschaft nicht nur in einem einzigen Lebensbereich wandeln, sondern es trifft immer alle Seiten der Medaille). Ich finde es unfassbar, wie viele Fotos täglich im Internet, besonders in den sozialen Medien, auftauchen und keine 24 Stunden später wieder verschwunden sind, was – nebenbei gesagt – in 95% der Fälle auch das Beste ist.

Dennoch stimmt es mich nachdenklich und ein wenig traurig, dass auch viele gute und sehenswerte Fotos einfach und schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Oft zu schnell. Es scheint mir, als ob es nur aktuelle Fotos „verdient“ haben, gezeigt zu werden. Aber ein Foto ist doch nicht automatisch schlecht, nur weil es nicht innerhalb der letzten 24 Stunden aufgenommen wurde, sondern vielleicht schon vor 2, 5 oder 15 Jahren.

Ich erwähnte in einem anderen Post, dass ich meine Fotos behalte, auch wenn es nicht alle in die engere Auswahl schaffen. Ich behalte sie, weil ich mich ändere. Ich ändere meine Ansichten. Ich ändere mein Sehen und mein Bewußtsein. Das ist nichts, was ich bewußt mache, sondern eine normale Entwicklung. Und auch wenn ich finde, dass sich mein Leben manchmal zu schnell dreht, ist Leben Veränderung. Und mit dem Leben verändere ich mich. Und daher kommt es vor, dass ich Fotos, die ich noch vor einigen Jahren uninteressant fand, nun gelungen finde. Andersrum funktioniert das auch: Fotos, die mir gefielen, mag ich nun nicht mehr ansehen.

Also habe ich beschlossen, den Rotationszyklus meiner Fotos etwas langsamer und sorgfältiger laufen zu lassen – sowohl beim Fotografieren als auch beim Präsentieren. Gegen das Vergessen, sozusagen. Ich werde mein Archiv betreten und nach beinahe vergessenen Schätzen Ausschau halten. Ich werde sie abstauben und präsentieren. Es muss nicht alles neu sein für mich (und das schreibe ich nicht, weil mir die Ideen ausgehen). Ich liebe viele meiner „alten“ Fotos noch immer und dann habe ich Lust ihr Aussehen zu optimieren und sie wieder mit neuen Augen zu betrachten. Schließlich bin ich inzwischen ein anderer Mensch – mit anderen (und auch verbesserten) Fähigkeiten.

Und das gefällt mir bei den oben erwähnten Fotografen. Ihre Fotos haben sie sorgfältig komponiert, dann entwickelt und bearbeitet. Sie haben Mühe, Gedanken und Zeit investiert. Und auch wenn ich bei weitem nicht gedankenlos fotografiere, so könnte ich doch bereits beim Fotografieren noch sorgfältiger sein und bewußt sehen. Und nicht erst bei der anschließenden Bearbeitung am PC. Auch wenn mich das digitale Fotografieren dazu verleitet, sollte ich doch auch heute noch Zeit, Mühe und Geduld in meine Fotografie investieren. Ich bin überzeugt, dass das der Fotoqualität zugute kommt und damit auch der Lebensdauer eines Fotos. Ich finde in Zeiten, in denen vieles oberflächlich wirkt und wird, darf gerne etwas mehr Tiefe und Beständigkeit in mein Leben kommen. Ich mag Echtheit.

Dieses Foto hat nichts außergewöhnliches oder gar aufregendes. Es ist ein einfaches und ruhiges Foto, das ich 2009 gemacht habe. In verschiedenen Varianten. Damals war es mir nicht bewußt, aber ich mag Fotos, die mehr Fragen stellen als sie beantworten. Spiegelungen und Reflexionen können auf den ersten Blick verwirrend sein. Der Betrachter ist gezwungen sich Zeit zu nehmen um das Bild gedanklich zu ordnen. Je nach gewähltem Ausschnitt erschließt sich die Realität aber trotzdem nicht und das Foto bleibt abstrakt. Das ist hier nicht der Fall. Auch wenn man die tatsächlichen Ballons nicht sieht, ist dennoch ganz klar, das es welche sind. Und das Kind (zusammen mit seiner Reflexion im Wasser) sorgt für einen kurzen Moment des Überlegens, wo denn nun oben und wo unten ist.

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So ist das mit den beinahe vergessenen Schätzen – sie inspirieren mich und fordern mich heraus. Sie verleiten zu neuen Ideen. Sie erinnern mich daran, was ich mag und was mir wichtig ist.

Annett

12 Magische Mottos 2017 – Fenster & Fassaden

Zunächst hatte ich Zweifel an Paleicas Februar-Motto. Spontan dachte ich nämlich, das ist ein Thema, was mich so gar nicht interessiert. Tja, aber eigentlich nur, wenn man es auf Architektur bezieht. Irgendwann wurde mir klar, dass mich Fassaden tatsächlich nicht sonderlich interessieren, aber Fenster dafür. Genaugenommen eigentlich die Fensterscheiben. Weil sich in ihnen der Augenblick zeigt. Und als ich dann in meinem Archiv nach Fenstern gesucht habe, habe ich meine Umsetzung für das Februar Thema gefunden.

Es sind nicht „nur Fenster“, sondern es sind Zugfenster. Unglaublich, wie oft ich Zugfenster fotografiert habe. Also verhältnismäßig. Mir ist aufgefallen, dass wann immer ich einen Zug fotografiere, ich auch meistens die Fenster fotografiere. Also nur die Fenster. Oft im Vorbeifahren – weil die Bewegung des Zuges alles noch interessanter und den Augenblick flüchtiger macht. Aber manchmal auch bei Stillstand. Aus meinen gesammelten Zugfenstern habe ich also eine kleine Auswahl getroffen und entstanden ist eine nette Serie aus lauter ähnlichen Fotos. Ähnlich sind sie aber nur auf den ersten Blick.

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Danke Paleica, denn ohne Dich und Deine Mottos wäre diese Serie nie entstanden. Und ich denke darüber nach sie auszubauen.

Annett

12 Magische Mottos 2017 – Abstraktion

Diesen Monat gibt es von Paleica ein Thema, das ich ausgesprochen gern mag und das bereits öfter in meine Fotografie einfließt. Ich liebe abstrakte Effekte in der Fotografie. Material in meinem Fotoarchiv gibt es also durchaus dazu. Und trotzdem habe ich lange überlegt, ob und wie ich das Thema umsetze. Paleicas Themen nehme ich gerne dazu meine vorgetrampelten und oft gegangenen Wege zu verlassen.

Während Abstraktion häufig durch wegnehmen und reduzieren entsteht, habe ich mich für Abstraktion durch Hinzufügen entschieden. Wenige Details oder aber viele Details können abstrakt wirken. Da ich im Januar kaum Zeit mit dem tatsächlichem Fotografieren verbracht habe, habe ich mich am PC ausgetobt. Die – vermutlich – unbegrenzten Möglichkeiten wurden also nur durch meine Fähigkeit mit dem Programm umzugehen begrenzt. Und so steuere ich ein chaotisches und vielleicht auch gegenstandsloses Foto zum Januar Motto bei.

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„Fotografie ist, wie wir alle wissen, überhaupt nicht real. Sie ist eine Illusion von Realität, mit der wir unsere eigene kleine Welt erschaffen.“

(Arnold Newman)

Annett