Die Leichtigkeit des Fotografierens

Fotografieren ist eine wunderbare Tätigkeit. Es fördert Kreativität, trägt zur Entspannung bei, schult den Blick, macht gute Laune. Alles in allem macht das Fotografieren Spaß. Aber oft, so scheint mir, wird dieser Spaß vergessen. Vergessen über Regeln zum Fotoaufbau. Vergessen über Technikdiskussionen. Vergessen im Perfektionswahn unserer Gesellschaft. Vergessen bei der hohen Schlagzahl, die in den sozialen Medien herrscht. Vergessen bei der Suche nach DEM Motiv aller Motive. Vergessen bei einer Unzahl an langweiligen Fotos. Vergessen auf der Suche nach belanglosen Likes. Aus der einstigen Leichtigkeit des Fotografierens ist eine ungeahnte Bürde geworden.

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Das ist ziemlich schade. Ich bin dafür wieder mehr Leichtigkeit in meine Fotografie zu bringen. Ich denke am ehesten lässt sich diese Leichtigkeit zurückerobern, in dem ich nicht nur mit dem Kopf fotografiere, sondern auch Bauchgefühl und Herz wieder verstärkt zulasse. Ich kann Musik hören und fühlen. Und so kann ich auch Foto sehen und fühlen – sowohl beim Aufnahmen als auch beim anschließenden Betrachten.

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Ich bin beim Fotografieren sowieso schon immer ein Bauchmensch gewesen. Der Kopf hat dabei nie eine große Rolle gespielt, sondern ich habe von Anfang an aus dem Bauch und oftmals „unbewußt“ fotografiert. Und so fotografiere ich auch heute noch. Dennoch kommt es mir so vor, als ob ich diese Leichtigkeit und Unbeschwertheit meiner Anfangsjahre verloren habe und nun mehr „denke“ beim Fotografieren bzw. Fotos mit dem Kopf aufnehme. Nicht richtig bei der Sache bin, sondern gedanklich bereits beim nächsten Schritt.

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Ich weiß nicht, ob ich meine Leichtigkeit wieder finden kann, aber ich werde mich bemühen ohne mich zu sehr anzustrengen, weil das vermutlich kontra-produktiv in Bezug auf die Leichtigkeit ist. Ich möchte das Mühelose an der Fotografie wiederfinden und mich nicht vom Gewicht anderer Fotos runterziehen lassen.

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Vielleicht ist die Lösung aber auch einfach(er): machst Du es Dir schwer, dann ist es schwer. Machst Du es Dir leicht, dann ist es leicht. Vielleicht stehe ich mir also selbst im Weg, weil ich es mir schwer mache und mir selbst die Leichtigkeit raube? Aber zumindest von den hier gezeigten Fotos kann ich sagen, dass ich sie mühelos und mit jeder Menge Leichtigkeit in meinem Garten „gefunden“ habe. Da war sie wieder die Leichtigkeit und nun muss ich sie bloß noch zukünftig bewahren.

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Annett

 

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12 magische Mottos – Monochrome Momente

Die wunderbare Paleica sucht diesen Monat „Monochrome Augenblicke“ – passend zum oftmals trüben und grauen November. Sie möchte, dass wir den Moment fotografisch einfangen. Die Flüchtigkeit eines Augenblicks darstellen. Sie sucht Fotos, die nur genau so in diesem einen speziellen Moment möglich sind. Paleica beschreibt die Monatsaufgabe wie folgt:

„… dass ihr eine Momentaufnahme im wörtlichen Sinn macht. Ein Bild, das die Flüchtigkeit zeigt, das nur in diesem Moment genau in der Art möglich ist. Davon gibt es viele. Wasser, Wolken, alles, was sich bewegt, alles, was flüchtig ist.“

Monochrome Fotos habe ich – zufällig – bereits beim letzten Monatsmotto hier gezeigt. Aber der Hintergrund war ein anderer. Nun geht es darum Flüchtigkeit und Vergänglichkeit darzustellen. Ein sehr passendes Thema zum Jahresende, denn 2016 ist demnächst ebenfalls Vergangenheit.

Wie fast immer bei Paleicas Mottos habe ich meistens erst kurz vor dem Ende, die Idee, wie ich das Thema für mich umsetzen möchte. Und das, obwohl mir ihre Aufgaben durchaus Spaß machen. Und während ich bis ebend noch eine andere Vorstellung hatte, habe ich beim Durchsehen meiner November-Fotos die Entscheidung spontan zugunsten eines anderen Fotos aus diesem Monat getroffen. Zu diesem Thema zeige ich also genau 1 Foto. Etwas ungewohnt in Zeiten von digitaler Masse. Dennoch es ist ein Schnappschuß – entstanden in der (unterirdischen) Kröpcke-Haltestelle in Hannover. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre das Foto vielleicht besser geworden, auf jeden Fall aber anders. Es war nur ein kurzer Moment und mir blieb kaum Zeit, aber ich wollte dieses Foto machen. Und auch wenn ich auf eine ähnliche Situation hätte warten können, wollte ich das nicht.

Das Ergebnis ist nicht so, wie ich es mir vor dem Drücken des Auslösers vorgestellt habe, aber dennoch auf ganz eigene Weise interessant. Es ist eine Doppelbelichtung. Aber mehr schreibe ich nicht dazu, denn ich will Euch nicht doll beeinflussen. Ihr habt selbst Augen und einen Kopf – ihr dürft sehen, was ihr sehen wollt. Oder könnt.

Dies ist also mein monochromer Moment im November:

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„Ich gebe dem Moment Dauer.“

(Manuel Álvarez Bravo)

Annett

 

 

 

12 magische Mottos – Auf den Spuren von Geschichte und Vergangenheit

Paleica schickt uns diesen Monat auf die Spuren von Geschichte und Vergangenheit – etwas das man genaugenommen überall findet. Ich dachte zuerst an unsere Dorfkirche, die im 17. Jahrhundert das erste Mal umgebaut wurde. Geschichte und Vergangenheit ohne Ende, fotografisch für mich aber uninteressant. Ich dachte an meinen Sohn – 6 Jahre Geschichte und Vergangenheit hat er zu bieten. Ein Wimpernaufschlag im Angesicht der Evolution, aber eine Ewigkeit für mich. Aber sollte vielleicht nicht doch etwas mit ein wenig mehr Vergangenheit her? Wie so oft bei Paleicas Monatsthemen stieg ich in mein Fotoarchiv und habe einen Ort gefunden, der für mich Geschichte und Vergangenheit hat. Ein Ort, der mich von Beginn an begeistert hat. Zudem ist er ausgesprochen populär bei Fotografen (und natürlich auch Nicht-Fotografen). Ich meine den vermutlich bekanntesten Slot Canyons der USA: den Upper Antelope Canyon in Arizona.

Ich habe diesen Canyon 2008 besucht. Und ja, fotografisch ist er total reizvoll. Aber für mich hat er neben der beeindruckenden Schönheit, auch Geschichte und Vergangenheit. Es ist nicht meine Geschichte, aber es ist eine Geschichte um die man nicht umhin kommt, wenn man den Südwesten der USA besucht. Es ist die Geschichte der Ureinwohner dieses Landes. Überall sind ihre Spuren sichtbar. Überall zeigt sich ihre Geschichte. Und doch ist es (leider) eine Geschichte der Vergangenheit. Und obwohl es andere Orte mit deutlicheren Spuren ihrer Vergangenheit gibt, hat es mir dieser Canyon angetan. Ich habe in meinem damaligen Blog Folgendes geschrieben:

„… für die Navajo-Indianer ist dieser Canyon ein spiritueller Ort. Bevor sie ihn betreten, sammeln sie sich und konzentrieren sich ganz auf dieses Ereignis. Und wahrlich, auch als wir ihn betreten haben, umfing uns ein Gefühl der Ruhe … und der Erhabenheit. Dieser Canyon strahlt defintiv etwas Besonderes aus.“

Ich war leider nicht lange und schon gar nicht alleine im Canyon, aber es ist ein wunderbarer Ort und er eignet sich hervorragend für spirituelle Erfahrungen. Zumindest könnte den meisten von uns bewußte Aufmerksamkeit in diesen schnellen und flüchtigen Zeiten gut tun. Es gibt so unglaublich viel Ablenkung und unnütze Informationen in unserer modernen Welt. Und dann tritt man in diesen Canyon ein und wird in eine andere Zeit katapultiert. Die Schönheit des Canyons hält unsere Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt. Faszinierend sind auch die Formen des roten Sandsteins, die Wind und Wasser im Laufe der Zeit in dieses Stück Felsen geformt haben. Es gibt viel zu sehen und spüren. Und Euch zeige ich nun ein paar Fotos aus diesem Stückchen Geschichte und Vergangenheit. Und obwohl roter Sandstein toll ist, habe ich mich für eine monochrome Variante entschieden – die Strukturen kommen so intensiver zur Geltung. Für diesen Blogbeitrag wollte ich die Spuren der Geschichte zeigen. Nämlich die Spuren, die Wind und Wasser im Sandstein hinterlassen haben. Das wunderbare Rot hätte da nur abgelenkt.

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„Listen to the voice of nature for it holds treasures for you.“

(Indianisches Sprichwort)

Annett

Geradlinig

Ist geradlinig eigentlich langweilig? Verpasse ich wohlmöglich etwas, wenn ich mich zu sehr auf Geradlinigkeit fixiere? Genaugenommen ist mein Leben recht geradlinig und auch auf meinen Fotos mag ich das ausgesprochen gern. Und daher habe ich gerade mein Fotoarchiv auf Geradlinigkeit durchstöbert und einige Funde von der Festplatte in diesen Blog gezaubert – ein Motiv, hundertmal gesehen. Letztlich ist es so, dass jeder den Weg für sich finden und gehen muss. Es ist unerheblich, ob dieser Weg geradlinig oder schief und krumm über Umwege verläuft. Am Ende steht das Ziel. Wenn man also mit dem Ziel vor Augen losläuft, ist der Weg egal. Am Ziel ankommen zählt. Aber wenn sich das Ziel ändert, ändert sich zwangsläufig auch der Weg. Ich möchte meine beruflichen Ziele ändern und stelle fest, dass es gar nicht leicht ist geradlinige Wege zu verlassen.

 

„Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt –
und nicht, was wir ersehnt haben.“
> Arthur Schnitzler <