Land of Enchantment

Gemeint ist New Mexico. „Land of Enchantment“ ist der offizielle Nickname des Bundesstaates. Ich bin ein USA Fan. Ich habe dort mal 3 Jahre gelebt und möchte das auch wieder. Im Moment geht es nicht, aber die Zeit wird kommen. Und so überlege ich oft, WO in diesem riesigen, wunderbaren Land ich leben möchte. Ich kenne noch nicht sehr viel (gemessen an der Größe). Ich habe mit meinem Mann in West-Texas gelebt und wir haben natürlich etliche Touren unternommen. Dennoch waren wir „nur“ im Westen, Südwesten und den Plains unterwegs. Die Ostküste und den Süden der USA kenne ich noch nicht. Aber das macht nicht so viel, denn ich bin total in den Südwesten verliebt. Geboren und aufgewachsen bin ich an der Ostsee (also wirklich ganz dicht dran). Meer war immer wichtig und eine Ruhepol für mich. Aber im Südwesten (in der Wüste) habe ich es nie vermisst. Die dortige Weite ist ähnlich beruhigend, einschüchternd und befreiend wie das Meer für mich.

Und nun habe ich also festgestellt, dass ich gern in New Mexico leben möchte. Ich finde, New Mexico ist (touristisch) ein Bundesstaat der total unterschätzt wird. Das liegt vermutlich daran, dass er einfach zu eindrucksvolle Konkurrenten hat. Da ist Arizona mit DEM Grand Canyon. Dann gibt es noch Utah mit DER Westernkulisse und vielen anderen Nationalparks schlechthin. Colorado hat die Rockies und Texas ist einfach nur cool und besonders. Naja, und von Kalifornien träumen ja heute noch viele Glücksucher. Und neben diesen Riesen schneidet New Mexico auf den ersten Blick schlecht ab. New Mexico ist viel ruhiger und nicht so aufdringlich. Aber über das gesamte Land verteilen sich kleine, sehenswerte Parks und Städte. Alle eher unbekannt. Und ich kann es sogar verstehen.

Man plant und spart für einen Urlaub in der USA. In diesem riesigen Land gibt es ungefähr 1 Mio. Sehenswürdigkeiten. Ehrlich, ich würde mich da auch für die großen und bekannten entscheiden, wer hat schon Zeit für kleine State Parks oder National Monuments? Aber ich hatte die Zeit und kann Euch berichten, dass es sich lohnt. Es ist eine andere Art des Reisens – ruhiger und intensiver.

Im Süden gibt es z. B. Carlsbad – eine Stadt die nicht besonders sehenswert ist. Aber sie hat mit die größten Tropfsteinhöhle der Welt (Carlsbad-Cavern-Nationalpark). Wenn man nicht mit dem Fahrstuhl (!) runterfährt, läuft man (gemütlich) 1,5 Stunden bergab, bis man endlich in der riesigen, eindrucksvollen Tropfsteinhöhle ist. Aber mein ganz persönliches Carlsbad-Highlight findet im Sommer nach Sonnenuntergang statt. Aus dem Eingang, den man am Tage runter in die Höhle gelaufen ist, kommen ca. 1,5 Millionen Fledermäuse und begeben sich auf Futtersuche. Diese Schauspiel ist soooo wunderbar. Es ist völlig unklar, woher die Tiere in den Tiefen der Höhle wissen, dass nun die Zeit gekommen ist, um auf Futtersuche zu gehen. Aber sie wissen es und kommen dann raus. Erst nur vereinzelt, aber dann immer mehr. Unglaublich schön. Fotografieren verboten – stört die Tiere. Manchmal muss man Augenblicke einfach für sich festhalten. Am Tage, wenn man die Höhle besichtigt, kommt man mit den Fledermäusen übrigens nicht in Berührung – der Bereich der Höhle in dem sie sich aufhalten, ist nicht für Besucher zugänglich. Abgesehen von dieser größten und sehr gut für Besucher aufbereiteten Tropfsteinhöhle, gibt es noch unzählige kleinere Höhlen dort. Einige sind für die Öffentlichkeit zugänglich, andere nur für Wissenschaftler. Bei einigen Höhlen muss man durch kleineste Löcher klettern und elektrischen Licht gibt es auch nicht. Ich kann Euch daher verraten, dass ich nur die „Haupt-„Tropfsteinhöhle kenne. Für alle anderen war ich eindeutig nicht abenteuerlustig genug.

Ebenfalls im Süden von New Mexico sind die White Sands. Ein wunderbarer Ort über den ich bereits geschrieben habe. Weiter westlich im Süden haben wir Silver City besucht – eine ehr untypisch typische amerikanische Kleinstadt. Zudem gibt es dort den City of Rocks State Park – interessante Steinformationen mitten im Nichts. Sehr ruhig und schön zum schlendern, fotografieren, picknicken, Seele baumeln lassen. Dort in der Nähe hatte ich auch meine einzige Begegnung mit einer Klapperschlange. Sie hat gerade die Straße überquert als wir mit dem Auto angefahren kamen. Überhaupt habe ich die ganze Zeit immer nur flüchtende Schlangen gesehen. Gut so!

Wenn man nach Norden fährt kommt man durch Albuquerque – eine größere und sehr sympathische Stadt. Durch Albuquerque führte auch die Route 66. An dem Stück dieser berühmten Route sind heute viele Bars, Restaurants und Discos, dicht an dicht. Da ist jeden Abend viel los und es ist nett, dort lang zu schlendern und in einem der Restaurants zu Abend zu essen.

In der Nähe von Albuqeque gibt es das Kasha-Katuwe Tent Rocks National Monument. Ein kleiner Park mit eindrucksvollen Felsformationen. Mich erinnern die übrigens mehr an Bleistiftspitzen als an Zelte. Wir sind durch die Schlucht (= Slot Canyon) auf die Berge hinaufgewandert – das war wundervoll. Sehr abwechslungsreich und nicht zu lang (nicht mal 2 km lang). Ich glaube, es gibt dort auch nur ein oder zwei Wanderwege und einen Overlook. Achtung Trivia-Fakt – eine Szene von „Young Guns II“ wurde dort gedreht.

Nicht weit von Albuquerque ist Santa Fe – bekannt und bei mir beliebt wegen der vielen Adobebauten. Noch interessanter, aber ebenfalls sehr „überfüllt“ mittlerweile ist Taos – eine kleine (Künstler-)Stadt nördlich von Santa Fe. Ein Besuch wert ist der Taos-Pueblo. Ein bewohnter und für die Öffentlichkeit zugänglicher Pueblo der Tiwa-Indianer. Unser Besuch dort war schön. Erst haben wir eine Führung mitgemacht und dann hat uns ein fürchterliches Gewitterschauer in einem der kleinen Lädchen „gefangen“ gehalten. Wir haben dann ausführlich mit der aufgeschlossenen Besitzerin geplaudert. Überhaupt fande ich es immer erstaunlich leicht mit Leuten, die wir unterwegs trafen, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Und anschließend ging jeder wieder seiner Wege .

Natürlich ist nicht alles toll. Und sogar für mich gibt es ein Stückchen New Mexico, wo ich mich nicht besonders wohl gefühlt habe. Der Nordwesten um Shiprock ist Indianerreservat und gehört den Navajos. Es war alles sehr ärmlich und nicht besonders einladend. Es hat mich deprimiert und ich habe mich so gar nicht wohlgefühlt. Ich kam mir unwillkommen vor (und vermutlich war ich das auch).

Und so ist New Mexico. Es ist groß. Es ist weit. Es ist sonnig. Es ist Wüste. Es ist Wald und es ist Berge. Es ist warm. Es ist kalt. Es ist leer. Es ist einsam. Es ist nicht aufdringlich. Seine Schönheit ist nicht so offensichtlich wie die von z. B. Utah oder Colorado, aber wenn man ganz genau hinsieht, findet man sie. Es ist nicht überreizt und Menschen überflutet. Auf einer Fläche von der Größe Polens wohnen ca. 2 Millionen Menschen – viel Platz also. Und vermutlich ist das ein Punkt der mich dorthin zurückzieht – neben der Sonne versteht sich. Noch heute (ich bin nun bereits 6 Jahre wieder zurück) finde ich Deutschland eng und mir fehlt die Weite und der Freiraum.

Und obwohl – angeblich – ein Foto mehr sagt als tausend Worte, habe ich doch 1000 Worte für diesen wenig populären Bundesstaat gefunden. Aber Fotos lasse ich nun noch natürlich auch noch sprechen.

Annett