Beinah vergessene Schätze

In meinem Bestreben für mehr Langsamkeit und weil ich gerade sehr mit der Planung meiner zweiten Jahreshälfte beschäftigt bin, habe ich „beinah vergessene Schätze“ aus meinem Archiv geholt – Fotos, die es wert sind mal wieder oder auch zum ersten Mal betrachtet zu werden.

Dieses Mal nehme ich Euch und mich wieder mit in die White Sands, New Mexico. Ich habe hier schon ausführlich über diesen wunderbaren Ort geschrieben. Jedes Mal, wenn ich dort sein kann, überkommt mich ein unglaubliches Gefühl von Vollkommen- und Zufriedenheit. Ich fühle mich absolut präsent und lebendig. Ich war zuletzt vor drei Jahren in den White Sands, aber mein Fotoarchiv ist gut gefühlt. Ich habe schon einige Fotos gezeigt, aber noch längst nicht alle. Und so präsentiere ich heute einen ganz bezaubernden kleinen Gefährten – den White Earless Lizard. Gut angepasst an seine Umgebung hält er Hitze und Trockenheit aus. Leicht zu finden ist er jedoch nicht – seine weiße Farbe tarnt ihn gut. Ich habe ihn nur sehr selten gesehen und diese Fotos sind quasi Glückstreffer.

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Ich mag diese beiden Fotos so gern, weil sie mich daran erinnern, das es für jeden den passenden Platz im Leben gibt. Die Schwierigkeit für uns liegt darin, ihn auch zu erkennen.

Annett

White Sands

Die White Sands in New Mexico, USA sind ein magischer Ort für mich. Jedes Mal, wenn ich dort bin, fühle ich ganz viel Ruhe in mir und die Gewißheit, da zu sein, wo ich hingehöre. Nun, das klingt vielleicht etwas übertrieben, denn wer möchte schon in einer „Wüste aus Gips“ leben, aber was ich eigentlich sagen will ist, dass dieser Ort mich stark anzieht. Er hat es vor 9 Jahren getan und macht es immer noch.

Der Sand besteht aus Gips. Die Sanddünen sind von Bergen umgeben, die aus verschiedenen Steinschichten bestehen. Eine dieser Schichten ist Kalkstein. Wenn es regnet, löst sich der Gips aus dem Kalkstein und wird die Berge runter in das Tularosa Tal gespült (und ja, da regnet es auch. Manchmal sogar richtig stark und einmal habe ich dort sogar Schnee erlebt.). Aus diesem Tal gibt es keinen natürlichen Abfluss zum Meer, so dass sich hier nach und nach der Gips angesammelt hat und durch den Wind werden die Dünen bewegt und wandern (einmal ist innerhalb von einem Jahr ein kleiner Parkplatz verschwunden. So komplett weg. Nada, nichts mehr da. Ich dachte schon ich irre mich und da war nie einer gewesen, aber doch, der war dann unter der Düne.). Der Sand ist zwar Gips fühlt sich allerdings nicht so an, wie der Gips, den man im Baumarkt kaufen kann. Er ist nämlich viel grobkörniger, macht die Schuhe jedoch auch weiß. Und wenn man keine Schuhe trägt, kann es passieren, dass man sich Blasen scheuert. Jedenfalls, wenn man 4,5 km durch die Dünen wandert (es gibt dort einen abgesteckten Rundweg im inneren der White Sands, der ist prima. Ansonsten sind ein Kompass und ein ausgezeichneter Orientierungssinn unablässlich …).

Tagsüber im Sommer ist es in den White Sands ziemlich unerträglich und – abgesehen davon, dass das Sonnenlicht eh viel zu grell ist – ist sogar das Hochheben der Kamera für ein Foto zu viel körperliche Betätigung. Auch abends ist es noch (sehr) warm, aber je tiefer die Sonne sinkt, desto weniger unbarmherzig wird sie. Dann kann man es gut aushalten und den Sonnenuntergang genießen. Überhaupt ist es Pflicht zum Sonnenuntergang dort zu bleiben (ist natürlich nicht Pflicht, aber total empfehlenswert). Das ist der Zeitpunkt, der mich jedes Mal auf’s Neue verzaubert. Das Licht wird viel milder. Alles kommt zur Ruhe und atmet auf. Wenn die Sonne dann erst mal die Gipfel der Berge berührt, ist sie innerhalb weniger Minuten auch schon verschwunden. Und zurück bleibt das Gefühl, einen weiteren wunderbaren Tag verlebt zu haben und die Vorfreude auf den nächsten Tag.

Doris Kirch hat mal gesagt „Wenn du dein Leben so intensiv und vollständig leben möchtest, wie es geht, dann sei dort, wo es stattfindet: im Hier und Jetzt!“. Und genau das machen die Abendstunden in den White Sands mit mir – sie nehmen meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch und fesseln mich im Hier und Jetzt. Nichts lenkt mich ab. Meine Gedanken hören auf hin und her zu springen. Früher oder später höre ich dann auf zu fotografieren. Aber das ist eher später. Ich habe heute nachmittag in meinem Fotoarchiv gestöbert und meine liebsten White Sands Fotos rausgesucht. Während des neuerlichen Betrachtens der Fotos hat mich (natürlich) Fernweh und Sehnsucht überfallen, aber auch die Erinnerungen an die vielen tollen Momente und Sonnenuntergänge, die ich dort erlebt haben.

Es liegt in der Sache der Natur, dass die meisten Fotos aus den Abendstunden sind. Einmal war ich auch zum Sonnenaufgang dort, aber den fand ich nicht so magisch – die Stimmung dann ist ganz anders. Und ich warne Euch lieber vor, nach einem langen Text folgen nun auch noch viele Fotos …

Annett

Warum Winterlicht?

Die Idee, mein Blog Winterlicht zu nennen, kam mir vor einigen Wochen. Morgens auf dem Weg zur Arbeit. Es war ein wunderbarer … äähhmm … Herbsttag mit Sonne und Nebel in den Feldern. Ich wohne ländlich – da gibt es viele Felder drumherum. Nun gut, es war also noch im Herbst, aber das Licht in dieser Zeit des Jahres ist so ganz anders als im Sommer. Im Sommer muss man auf die Abendstunden warten, bis die Sonne tief steht und das Licht magisch wird. Alternativ könnte man natürlich früh aufstehen. Sehr früh. Im Winter aber steht die Sonne den ganzen Tag tief und verbreitet dieses magisches Licht. Alles wirkt anders und es ist eine besondere Stimmung. Natürlich nur, wenn denn im Winter auch die Sonne scheint. Hier, in Norddeutschland, ist das leider selten der Fall. Dennoch mag ich diese Lichtstimmung im Winter und habe ich mich für „Winterlicht Fotografie“ entschieden. Da kann ich auch mit leben, dass es im Winter auch diese grauen Tage gibt, wo es gefühlt gar nicht hell wird und selbst bei ISO 1000 die Fotos ohne Blitz oder Stativ verwackeln. Nichts ist perfekt. Auch nicht das Winterlicht.

Fotografie ist Malen mit Licht. Das ist alles, um was es geht. Um das richtige Licht. Ach ja, Motive spielen natürlich auch eine Rolle, aber entscheidend ist das Licht. Das gilt für Landschaftsfotos ebenso wie für Portrait- oder Architekturaufnahmen und was es nicht noch alles gibt. Wenn sich das Licht ändert, ändert sich auch das Foto oder vielmehr die Wirkung des Fotos. Ich habe in meinem Fotoarchiv gesucht und zwei Fotos aus meiner Anfangszeit zum verdeutlichen gefunden. Es ist nicht das gleiche Motiv, aber es ist der gleiche Ort (White Sands National Monument, New Mexico) am gleichen Tag (12.04.2008) zu verschiedenen Uhrzeiten. Achtet auf die unterschiedliche Bildwirkung.

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15:44 Uhr
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18:33 Uhr

Das erste Bild in der Nachmittagssonne wirkt flach, strukturlos und uninteressant. Beim zweiten Foto kann man die Strukturen des Sandes, Fußspuren, die unterschiedlichen Formen der Hügel und den spärlichen Pflanzenbewuchs gut erkennen. Die tiefen Schatten geben dem Auge Punkte zum festhalten. Der Sand wirkt nicht mehr weiss, sondern beige.

Jedes Fotos für sich betrachtet, hat eine Wirkung, aber im direkten Vergleich fallen die Unterschiede deutlich auf und mir gefällt nur das untere Foto. Und dieses Licht, so wie es auf dem unteren Foto ist, finde ich magisch. Statt Winterlicht hätte ich mein Blog auch Abendlicht nennen können, aber selbst in der Wüste, wo täglich die Sonne scheint, ist das Sonnenlicht im Winter anders. Es ist milder und wärmer (also von der Farbtemperatur her). Es ist … magischer. Für diesen Post habe ich das Wort „magisch“ eindeutig genug benutzt, aber ich möchte Euch dennoch ein magisches Wochenende wünschen. Vielleicht zeigt sich bei Euch die Sonne.

Eure Annett