kreativ sein

Kreativ. Ein großes Wort, von dem jeder seine eigene Vorstellung hat. Die offizielle Version des Dudens bezeichnet kreativ als

schöpferisch, Ideen habend und diese gestalterisch verwirklichend.

Schöpferkraft – das ist auch meine Vorstellung von Kreativität. Ideen haben und Neues erschaffen. Die letzten Wochen war ich – entgegen dieser Überzeugung – jedoch völlig unkreativ. Ich hatte (vage, flüchtige) Ideen, aber näher durchdacht, umgesetzt bzw. verwirklicht habe ich sie nicht. Ich war weder in der Onlinewelt bloggend kreativ noch im tatsächlichen Leben. Ich hatte eine kreative Funkstille. Vielleicht habe ich sie noch immer. Aber ich sehne mich nach einer Wiederbelebung meiner Kreativität.

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Nun überlege ich schon eine geraume Weile, warum meine Kreativität eingefroren ist und ich keinerlei Motivation verspür(t)e mich kreativ zu betätigen, obwohl der Wunsch da ist. Ich habe für mich erkannt, dass ich Ruhe und Freiraum für Kreativität brauche. Ablenkung und „zu viel Action“ schadet. Wenn meine Gedanken keine Ruhe finden, weil ich sie mit zu viel Musik, TV, Handygedaddel, Konsum, (Hör-)Büchern und ähnlichem beschäftige, haben sie keine Möglichkeit Kreativität zu entfalten. Sie sind dann eingelullt und betäubt. Schaffe ich es aber diesen Ablenkungsstrom bewußt zu unterbrechen und die plötzlich eintretende Ruhe anzunehmen, erwachen meine Ideen wieder. Es ist faszinierend. Und auch völlig in Ordnung nicht ständig kreativ sein zu können (oder zu müssen!). Mein Alltag ist nicht immer gleichbleibend ruhig und frei, da bleibt dann manchmal weniger Freiraum für schöpferische Ideen und Aktivitäten.

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Passend zu meinen Gedanken beschäftigt sich auch das Fotomagazin in der Ausgabe 2/2018 damit kreativer zu werden. Überhaupt ist Kreativität irgendwie ein großes Thema – auch in anderen Zeitschriften und Medien. Tipps, wie man kreativer wird, gibt es zu Hauf. Mitunter sind die Tipps so konkret, dass sie schon widersprüchlich zur Kreativität stehen. Wo bleibt denn die (eigene) Schöpferkraft, wenn ich nur bestimmten Anweisungen folge? Bei Kreativität geht es doch darum, etwas Neues zu erschaffen. Wie soll es für etwas Neues denn bereits eine Methode bzw. eine konkrete Vorgehensweise geben? Es geht doch genau darum, seine eigene Methode und sein eigenes Ziel zu erkennen und zu verwirklichen.

In dem Artikel des Fotomagazins geht es jedoch weniger um (zu konkrete) Tipps, sondern um Kreativität im Allgemeinen. Tipps gibt es da nur am Rande. Interessanter finde ich dagegen die These des Kreativitätsforschers Karl-Heinz Brodbeck, dass Kreativität heute „demokratisiert, aber auch sehr beliebig“ geworden ist. Er unterscheidet verschiedene Grade von Kreativität. Kreativität ist heutzutage mehr Menschen zugängig als noch vor einigen Jahrzehnten. Dadurch wird Kreativität natürlich beliebiger und auch weiter.

Das deckt sich insofern mit meinen Erfahrungen mit der Kreativität als das ich einen freien Kopf brauche, um kreative Ideen entwickeln zu können. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Leben für den Großteil der Menschen wesentlich anstrengender und zeitaufwendiger als heute. Die Menschen hatten weniger Kapazitäten kreative Ideen zu entwickeln. Da spielt die von Maslow entwickelte Bedürfnis-Pyramide eine Rolle. Erst wenn ein Bedürfnis der unteren Stufe erfüllt ist, kann sich der Mensch um ein Bedürfnis der höheren Stufe kümmern. An unterster Stelle stehen unsere körperlichen Bedürfnisse. So lange ich hungrig, durstig, müde oder sonst was bin, sind mir kreative Ideen ziemlich gleichgültig. Und bis vor wenigen Jahrzehnten ging es auch in den heutigen Industrienationen noch vorrangig darum, die unteren Bedürfnisse zu befriedigen. Heutzutage geht es uns so gut, dass wir uns um unsere Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung kümmern können. Da dies auch die  Kreativität umfasst, ist es doch nur selbstverständlich, dass heutzutage mehr Menschen kreativ sind oder es zumindest sein wollen. Kreativität ist dadurch beliebiger geworden.

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Heutzutage geht es darum den schmalen Grat zwischen Ablenkung, Inspiration und Ruhe zu finden, damit sich unsere Kreativität entfalten kann. Obwohl ich oben erwähnte, dass meine Kreativität Ruhe und Freiraum zum entfalten braucht, braucht sie genauso Inspiration, also im Sinne von Anregung. Diese Anregung lässt sich meiner Meinung nach jedoch überall finden. Wir müssen nur präsent sein und uns die Mühe machen hinzusehen. Dabei hilft Entschleunigung. Entschleunigung tut gut und gibt uns Zeit in einer Situation auch wirklich anzukommen.

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Und manchmal brauche ich auch „einfach nur“ Geduld. Nämlich die Geduld Durststrecken und unkreative Phasen durchzustehen. Kreativität und Motivation kommen dann von ganz allein wieder.


„Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie.“ (Truman Capote)


Annett

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Mehr oder weniger?

Letzte Woche konnte ich den Frühling spüren – strahlender Sonnenschein und 12 °C. Und weil es so verlockend war, bin ich nachmittags nach Steinhude gefahren (mal wieder diesen Winter). Zum Fotografieren natürlich. Meinen Sohn lockte ich mit Eis, also Speiseeis. Das Steinhuder Meer war allerdings auch noch immer mit einer dicken Eisschicht bedeckt.

Und weil es so traumhaftes Wetter war, war Steinhude gut besucht. Unter anderem waren auch jede Menge Fotografen unterwegs (der zugefrorene See im sonnigen Winterlicht ist wirklich ein sehr dankbares Motiv – da kann kaum was schief gehen). Und so habe ich gestaunt, wie viel Ausrüstung einige mithaben. Ich bin in Sachen Fotoausrüstung recht minimalistisch unterwegs und daher bin ich die letzten Tage auch immer mal wieder ins Grübeln gekommen, ob ich dadurch nicht vielleicht DAS Foto verpasse!? Ist mehr Ausrüstung vorteilhafter? Ist es besser einen möglichst großen Brennweitenbereich abzudecken und ein Stativ dabeizuhaben? Und vielleicht noch ein, zwei Filter? Vielleicht begrenze ich mich ja nachteilig, wenn ich auf all das verzichte?

Es ist natürlich vor allem auch eine Typfrage. Wer technische Spielerei mag, dem würde vermutlich was fehlen, wenn der Fotorucksack nicht auf den Schultern drückt. Ich dagegen würde wahrscheinlich eh selten das Objektiv wechseln und noch seltener das Stativ aufbauen, weil … Ich weiß gar nicht genau warum. Ich schätze, weil es nicht das ist, was mich an der Fotografie reizt – also das Austesten von verschiedenen technischen Möglichkeiten und Varianten. Ich mag an der Fotografie, dass sie mich im Augenblick hält und aufmerksam sein lässt. Meine Gedanken sind in der gleichen Zeit wie der Rest von mir – nämlich im Jetzt. Sie sind da, wo das Leben stattfindet. Sie eilen nicht in die Zukunft zur Planung des nächsten Tages und schwelgen auch nicht in Erinnerungen vergangener Zeiten – wie sie es sonst sehr gern tun. Wenn ich fotografiere, sind meine Gedanken bei dem, was ich tue – nämlich ein Motiv suchen, das ich ablichten möchte. Ein Foto komponieren. Einen Moment einfangen und zum bleiben zwingen.

Weniger Technik lässt mich daher intensiver mit dem Motiv beschäftigen und somit auch intensiver im Jetzt verweilen. Die Begrenzung auf wenig Technik lässt mich mehr sehen. Und das nicht nur mit den Augen. Ich werde kreativer und freier bei der Ablichtung eines Motives. Das klingt wie ein Widerspruch, denn gemessen an den heutigen technischen Möglichkeiten begrenze ich meine technischen Möglichkeiten ja doch sehr. Und gerade diese Begrenzung gibt mir das Gefühl freier zu sein (oft ist es einfacher aus 3 Möglichkeiten als aus 10 auszuwählen). Und wenn ich mich freier fühle, können auch meine Gedanken und Bilder freier und kreativer entstehen. Dadurch das mein Gehirn sich nicht mit der „Technik-Frage“ beschäftigen muss, kann es sich mit Bildaufbau und dem Entdecken unerwarteter Motive beschäftigen. Entgegen allen hartnäckigen Gerüchten ist unser Gehirn tatsächlich nicht multitasking-fähig – es kann sich nur auf eine einzige Sache konzentrieren. Und da bei mir die verschiedenen Technikmöglichkeiten wegfallen und für keinerlei Ablenkung sorgen, sind die Kapazitäten frei für das Motiv. Und den Augenblick.

Und so habe ich vom letzten Mittwoch nicht nur die Fotos als Erinnerung, sondern auch die tatsächliche Erinnerung an einen Nachmittag im schönsten Winterlicht. Natürlich wird mein Gehirn im Laufe der Jahre diese Erinnerung abwandeln – aber was ist schon perfekt?

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„Der Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“ (Martin Heidegger)

Annett

Eis 3

Bei meinem letzten Besuch in Steinhude war das Wasser noch immer oder schon wieder gefroren – das weiß ich gar nicht. Aber es erklärt, warum ich heute noch einmal Eisfotos zeige.

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Also ich wäre dann jetzt aber auch bereit für den Frühling …

Annett