experimentieren

Ich habe folgendes inspiriendes Zitat gelesen:

„Seien Sie nicht zu schüchtern und zögerlich in Ihren Handlungen. Das ganze Leben ist ein Experiment. Je mehr Sie experimentieren, desto besser.“

Ralph Waldo Emerson

Das passt gut zu meinem letzten Beitrag über die gefühlte Warteposition und wahrscheinlich hat es mich deswegen auch angesprochen. Wobei ich bei diesem Zitat Experimente nicht wortwörtlich als Experimente sehe, sondern meine, es bezieht sich darauf (kalkulierbare) Risiken im Leben einzugehen.

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Ich wünsche Euch ein Wochenende voller Experimente.

Annett

 

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kreativ sein

Kreativ. Ein großes Wort, von dem jeder seine eigene Vorstellung hat. Die offizielle Version des Dudens bezeichnet kreativ als

schöpferisch, Ideen habend und diese gestalterisch verwirklichend.

Schöpferkraft – das ist auch meine Vorstellung von Kreativität. Ideen haben und Neues erschaffen. Die letzten Wochen war ich – entgegen dieser Überzeugung – jedoch völlig unkreativ. Ich hatte (vage, flüchtige) Ideen, aber näher durchdacht, umgesetzt bzw. verwirklicht habe ich sie nicht. Ich war weder in der Onlinewelt bloggend kreativ noch im tatsächlichen Leben. Ich hatte eine kreative Funkstille. Vielleicht habe ich sie noch immer. Aber ich sehne mich nach einer Wiederbelebung meiner Kreativität.

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Nun überlege ich schon eine geraume Weile, warum meine Kreativität eingefroren ist und ich keinerlei Motivation verspür(t)e mich kreativ zu betätigen, obwohl der Wunsch da ist. Ich habe für mich erkannt, dass ich Ruhe und Freiraum für Kreativität brauche. Ablenkung und „zu viel Action“ schadet. Wenn meine Gedanken keine Ruhe finden, weil ich sie mit zu viel Musik, TV, Handygedaddel, Konsum, (Hör-)Büchern und ähnlichem beschäftige, haben sie keine Möglichkeit Kreativität zu entfalten. Sie sind dann eingelullt und betäubt. Schaffe ich es aber diesen Ablenkungsstrom bewußt zu unterbrechen und die plötzlich eintretende Ruhe anzunehmen, erwachen meine Ideen wieder. Es ist faszinierend. Und auch völlig in Ordnung nicht ständig kreativ sein zu können (oder zu müssen!). Mein Alltag ist nicht immer gleichbleibend ruhig und frei, da bleibt dann manchmal weniger Freiraum für schöpferische Ideen und Aktivitäten.

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Passend zu meinen Gedanken beschäftigt sich auch das Fotomagazin in der Ausgabe 2/2018 damit kreativer zu werden. Überhaupt ist Kreativität irgendwie ein großes Thema – auch in anderen Zeitschriften und Medien. Tipps, wie man kreativer wird, gibt es zu Hauf. Mitunter sind die Tipps so konkret, dass sie schon widersprüchlich zur Kreativität stehen. Wo bleibt denn die (eigene) Schöpferkraft, wenn ich nur bestimmten Anweisungen folge? Bei Kreativität geht es doch darum, etwas Neues zu erschaffen. Wie soll es für etwas Neues denn bereits eine Methode bzw. eine konkrete Vorgehensweise geben? Es geht doch genau darum, seine eigene Methode und sein eigenes Ziel zu erkennen und zu verwirklichen.

In dem Artikel des Fotomagazins geht es jedoch weniger um (zu konkrete) Tipps, sondern um Kreativität im Allgemeinen. Tipps gibt es da nur am Rande. Interessanter finde ich dagegen die These des Kreativitätsforschers Karl-Heinz Brodbeck, dass Kreativität heute „demokratisiert, aber auch sehr beliebig“ geworden ist. Er unterscheidet verschiedene Grade von Kreativität. Kreativität ist heutzutage mehr Menschen zugängig als noch vor einigen Jahrzehnten. Dadurch wird Kreativität natürlich beliebiger und auch weiter.

Das deckt sich insofern mit meinen Erfahrungen mit der Kreativität als das ich einen freien Kopf brauche, um kreative Ideen entwickeln zu können. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Leben für den Großteil der Menschen wesentlich anstrengender und zeitaufwendiger als heute. Die Menschen hatten weniger Kapazitäten kreative Ideen zu entwickeln. Da spielt die von Maslow entwickelte Bedürfnis-Pyramide eine Rolle. Erst wenn ein Bedürfnis der unteren Stufe erfüllt ist, kann sich der Mensch um ein Bedürfnis der höheren Stufe kümmern. An unterster Stelle stehen unsere körperlichen Bedürfnisse. So lange ich hungrig, durstig, müde oder sonst was bin, sind mir kreative Ideen ziemlich gleichgültig. Und bis vor wenigen Jahrzehnten ging es auch in den heutigen Industrienationen noch vorrangig darum, die unteren Bedürfnisse zu befriedigen. Heutzutage geht es uns so gut, dass wir uns um unsere Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung kümmern können. Da dies auch die  Kreativität umfasst, ist es doch nur selbstverständlich, dass heutzutage mehr Menschen kreativ sind oder es zumindest sein wollen. Kreativität ist dadurch beliebiger geworden.

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Heutzutage geht es darum den schmalen Grat zwischen Ablenkung, Inspiration und Ruhe zu finden, damit sich unsere Kreativität entfalten kann. Obwohl ich oben erwähnte, dass meine Kreativität Ruhe und Freiraum zum entfalten braucht, braucht sie genauso Inspiration, also im Sinne von Anregung. Diese Anregung lässt sich meiner Meinung nach jedoch überall finden. Wir müssen nur präsent sein und uns die Mühe machen hinzusehen. Dabei hilft Entschleunigung. Entschleunigung tut gut und gibt uns Zeit in einer Situation auch wirklich anzukommen.

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Und manchmal brauche ich auch „einfach nur“ Geduld. Nämlich die Geduld Durststrecken und unkreative Phasen durchzustehen. Kreativität und Motivation kommen dann von ganz allein wieder.


„Alle Menschen haben die Anlage, schöpferisch tätig zu sein. Nur merken es die meisten nie.“ (Truman Capote)


Annett

Eis 3

Bei meinem letzten Besuch in Steinhude war das Wasser noch immer oder schon wieder gefroren – das weiß ich gar nicht. Aber es erklärt, warum ich heute noch einmal Eisfotos zeige.

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Also ich wäre dann jetzt aber auch bereit für den Frühling …

Annett

Land of Enchantment

Gemeint ist New Mexico. „Land of Enchantment“ ist der offizielle Nickname des Bundesstaates. Ich bin ein USA Fan. Ich habe dort mal 3 Jahre gelebt und möchte das auch wieder. Im Moment geht es nicht, aber die Zeit wird kommen. Und so überlege ich oft, WO in diesem riesigen, wunderbaren Land ich leben möchte. Ich kenne noch nicht sehr viel (gemessen an der Größe). Ich habe mit meinem Mann in West-Texas gelebt und wir haben natürlich etliche Touren unternommen. Dennoch waren wir „nur“ im Westen, Südwesten und den Plains unterwegs. Die Ostküste und den Süden der USA kenne ich noch nicht. Aber das macht nicht so viel, denn ich bin total in den Südwesten verliebt. Geboren und aufgewachsen bin ich an der Ostsee (also wirklich ganz dicht dran). Meer war immer wichtig und eine Ruhepol für mich. Aber im Südwesten (in der Wüste) habe ich es nie vermisst. Die dortige Weite ist ähnlich beruhigend, einschüchternd und befreiend wie das Meer für mich.

Und nun habe ich also festgestellt, dass ich gern in New Mexico leben möchte. Ich finde, New Mexico ist (touristisch) ein Bundesstaat der total unterschätzt wird. Das liegt vermutlich daran, dass er einfach zu eindrucksvolle Konkurrenten hat. Da ist Arizona mit DEM Grand Canyon. Dann gibt es noch Utah mit DER Westernkulisse und vielen anderen Nationalparks schlechthin. Colorado hat die Rockies und Texas ist einfach nur cool und besonders. Naja, und von Kalifornien träumen ja heute noch viele Glücksucher. Und neben diesen Riesen schneidet New Mexico auf den ersten Blick schlecht ab. New Mexico ist viel ruhiger und nicht so aufdringlich. Aber über das gesamte Land verteilen sich kleine, sehenswerte Parks und Städte. Alle eher unbekannt. Und ich kann es sogar verstehen.

Man plant und spart für einen Urlaub in der USA. In diesem riesigen Land gibt es ungefähr 1 Mio. Sehenswürdigkeiten. Ehrlich, ich würde mich da auch für die großen und bekannten entscheiden, wer hat schon Zeit für kleine State Parks oder National Monuments? Aber ich hatte die Zeit und kann Euch berichten, dass es sich lohnt. Es ist eine andere Art des Reisens – ruhiger und intensiver.

Im Süden gibt es z. B. Carlsbad – eine Stadt die nicht besonders sehenswert ist. Aber sie hat mit die größten Tropfsteinhöhle der Welt (Carlsbad-Cavern-Nationalpark). Wenn man nicht mit dem Fahrstuhl (!) runterfährt, läuft man (gemütlich) 1,5 Stunden bergab, bis man endlich in der riesigen, eindrucksvollen Tropfsteinhöhle ist. Aber mein ganz persönliches Carlsbad-Highlight findet im Sommer nach Sonnenuntergang statt. Aus dem Eingang, den man am Tage runter in die Höhle gelaufen ist, kommen ca. 1,5 Millionen Fledermäuse und begeben sich auf Futtersuche. Diese Schauspiel ist soooo wunderbar. Es ist völlig unklar, woher die Tiere in den Tiefen der Höhle wissen, dass nun die Zeit gekommen ist, um auf Futtersuche zu gehen. Aber sie wissen es und kommen dann raus. Erst nur vereinzelt, aber dann immer mehr. Unglaublich schön. Fotografieren verboten – stört die Tiere. Manchmal muss man Augenblicke einfach für sich festhalten. Am Tage, wenn man die Höhle besichtigt, kommt man mit den Fledermäusen übrigens nicht in Berührung – der Bereich der Höhle in dem sie sich aufhalten, ist nicht für Besucher zugänglich. Abgesehen von dieser größten und sehr gut für Besucher aufbereiteten Tropfsteinhöhle, gibt es noch unzählige kleinere Höhlen dort. Einige sind für die Öffentlichkeit zugänglich, andere nur für Wissenschaftler. Bei einigen Höhlen muss man durch kleineste Löcher klettern und elektrischen Licht gibt es auch nicht. Ich kann Euch daher verraten, dass ich nur die „Haupt-„Tropfsteinhöhle kenne. Für alle anderen war ich eindeutig nicht abenteuerlustig genug.

Ebenfalls im Süden von New Mexico sind die White Sands. Ein wunderbarer Ort über den ich bereits geschrieben habe. Weiter westlich im Süden haben wir Silver City besucht – eine ehr untypisch typische amerikanische Kleinstadt. Zudem gibt es dort den City of Rocks State Park – interessante Steinformationen mitten im Nichts. Sehr ruhig und schön zum schlendern, fotografieren, picknicken, Seele baumeln lassen. Dort in der Nähe hatte ich auch meine einzige Begegnung mit einer Klapperschlange. Sie hat gerade die Straße überquert als wir mit dem Auto angefahren kamen. Überhaupt habe ich die ganze Zeit immer nur flüchtende Schlangen gesehen. Gut so!

Wenn man nach Norden fährt kommt man durch Albuquerque – eine größere und sehr sympathische Stadt. Durch Albuquerque führte auch die Route 66. An dem Stück dieser berühmten Route sind heute viele Bars, Restaurants und Discos, dicht an dicht. Da ist jeden Abend viel los und es ist nett, dort lang zu schlendern und in einem der Restaurants zu Abend zu essen.

In der Nähe von Albuqeque gibt es das Kasha-Katuwe Tent Rocks National Monument. Ein kleiner Park mit eindrucksvollen Felsformationen. Mich erinnern die übrigens mehr an Bleistiftspitzen als an Zelte. Wir sind durch die Schlucht (= Slot Canyon) auf die Berge hinaufgewandert – das war wundervoll. Sehr abwechslungsreich und nicht zu lang (nicht mal 2 km lang). Ich glaube, es gibt dort auch nur ein oder zwei Wanderwege und einen Overlook. Achtung Trivia-Fakt – eine Szene von „Young Guns II“ wurde dort gedreht.

Nicht weit von Albuquerque ist Santa Fe – bekannt und bei mir beliebt wegen der vielen Adobebauten. Noch interessanter, aber ebenfalls sehr „überfüllt“ mittlerweile ist Taos – eine kleine (Künstler-)Stadt nördlich von Santa Fe. Ein Besuch wert ist der Taos-Pueblo. Ein bewohnter und für die Öffentlichkeit zugänglicher Pueblo der Tiwa-Indianer. Unser Besuch dort war schön. Erst haben wir eine Führung mitgemacht und dann hat uns ein fürchterliches Gewitterschauer in einem der kleinen Lädchen „gefangen“ gehalten. Wir haben dann ausführlich mit der aufgeschlossenen Besitzerin geplaudert. Überhaupt fande ich es immer erstaunlich leicht mit Leuten, die wir unterwegs trafen, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Und anschließend ging jeder wieder seiner Wege .

Natürlich ist nicht alles toll. Und sogar für mich gibt es ein Stückchen New Mexico, wo ich mich nicht besonders wohl gefühlt habe. Der Nordwesten um Shiprock ist Indianerreservat und gehört den Navajos. Es war alles sehr ärmlich und nicht besonders einladend. Es hat mich deprimiert und ich habe mich so gar nicht wohlgefühlt. Ich kam mir unwillkommen vor (und vermutlich war ich das auch).

Und so ist New Mexico. Es ist groß. Es ist weit. Es ist sonnig. Es ist Wüste. Es ist Wald und es ist Berge. Es ist warm. Es ist kalt. Es ist leer. Es ist einsam. Es ist nicht aufdringlich. Seine Schönheit ist nicht so offensichtlich wie die von z. B. Utah oder Colorado, aber wenn man ganz genau hinsieht, findet man sie. Es ist nicht überreizt und Menschen überflutet. Auf einer Fläche von der Größe Polens wohnen ca. 2 Millionen Menschen – viel Platz also. Und vermutlich ist das ein Punkt der mich dorthin zurückzieht – neben der Sonne versteht sich. Noch heute (ich bin nun bereits 6 Jahre wieder zurück) finde ich Deutschland eng und mir fehlt die Weite und der Freiraum.

Und obwohl – angeblich – ein Foto mehr sagt als tausend Worte, habe ich doch 1000 Worte für diesen wenig populären Bundesstaat gefunden. Aber Fotos lasse ich nun noch natürlich auch noch sprechen.

Annett